Thema das Monats Juli: Flüssig-fruchtige Erfrischungen aus dem Hause GOBA

Mit zwei neuen Geschmacksrichtungen ihrer «Gallionsfigur» Flauder hat die Mineralquelle Gontenbad den Sommer eingeläutet. Wir haben mit Geschäftsführerin Gabriela Manser über Wasser, Verwurzelung und Weitblick geplaudert.

Thema das Monats Juli: Flüssig-fruchtige Erfrischungen aus dem Hause GOBA
Frau Manser, was bedeutet für Sie Wasser?
Gabriela Manser: Wasser ist Leben! Wasser fasziniert und ist spannend mit all seinen verschiedenen Facetten. Zum Beispiel als Dampf, flüssig, gefroren - in diesem Zustand braucht es mehr Platz. Es ist immer das gleiche Element und trotzdem so verschieden. Das macht Wasser so faszinierend, es ist ein Mysterium. Selbst die Wissenschaft hat dieses Element noch nicht vollständig erforscht.
Faszinierend ist auch unsere Mineralquelle. Wo fliesst sie durch? Wir wissen ungefähr den Zuströmbereich, hingegen wissen nicht, wo sich das Mineralwasser während der 25 bis 50 Jahre im Boden aufhält. Danach sprudelt es in immer gleicher Zusammensetzung und Qualität bei unseren Quellfassungen. Schon als Kind hatte ich natürlich Kontakt zu «unserem» Mineralwasser, jedoch mehr im Hintergrund. Beruflich wählte ich zuerst einen anderen Weg. Als ich das Unternehmen dann übernahm, kam alles zusammen, was mir wichtig war: Die Kreativität, die Poesie und die tiefe Verwurzelung in der Region.

Seit elf Jahren leiten Sie die Mineralquelle Gontenbad. Wasser ist damit ihr berufliches Kerngeschäft. Was macht das Appenzeller Mineralwasser so speziell?
Eine Unterscheidung ist mir wichtig: Wir sprechen von Mineralwasser und das ist durch das Lebensmittelgesetz genau definiert. Eine Voraussetzung ist beispielsweise, dass es immer eine gleichbleibende Qualität aufweisen muss, Sommer wie Winter. Das kann man mit dem Fingerabdruck eines Menschen vergleichen. Jede Quelle auf der Erde hat ihre eigene Zusammensetzung. Das Mineralwasser muss am Ort der Quelle ohne Behandlung, also ganz rein, abgefüllt werden. Wird Mineralwasser vor dem Füllen z. B. in Tankwagen transportiert, darf es nicht mehr als Mineralwasser gekennzeichnet werden.
Unser Mineralwasser verlässt den Boden «still», also ohne Kohlensäure. Diese geben wir je nach Bedarf während des Abfüllvorganges dazu. An der Quelle enthält unser Mineralwasser gelöstes Eisen. Sobald das Mineralwasser mit Kohlendioxid - also Luft - in Berührung kommt, oxidiert das Eisen und es fällt aus. Dieses Oxid dürfen wir mit einem Sandfilter zurück halten. Somit ist das Mineralwasser in der Flasche ohne Eisen, was auf der Flasche mit dem Wort «enteisent» vermerkt ist.
Das Appenzell Mineralwasser ist ein sehr feines, leichtes Mineralwasser mit rund 560 mg Mineralien. Es ist leicht süsslich und sehr rund und weich.

Wasser ist also nicht gleich Wasser?
Genau, Mineralwasser kann man wirklich degustieren und erkennen, um welches Wasser es sich handelt. Mit Hahnenwasser und Quellwasser ist das anders, je nach Jahreszeit, Niederschlägen etc. können diese Wasser verschieden zusammen gesetzt sein und schmecken jedesmal anders.

Die Mineralquelle Gontenbad AG gibt es seit 1930. Wie unterscheidet sich der Betrieb heute von jenem der Anfänge?
Meine Grosseltern hatten damals das Unternehmen gegründet. Wie viel anders war es da! Alles wurde noch von Hand gemacht. Die Flaschen wurden von Hand gewaschen, abgefüllt und ganz regional in der Nähe verkauft.
1968 wurde die Aktiengesellschaft gegründet. Eine Abfüllstrasse wurde eingerichtet. Die damals verwendeten Bügelflaschen hatten keine Etiketten. Ein Siebdruck auf der Flasche beschrieb, was drin ist. Anfang der 1970er Jahre hatten sich alle Mineralwasserproduzenten zusammengeschlossen, um «einheitlich» aufzutreten und entschieden sich für eine Normflasche mit Drehverschluss.
Heute sind wir ein moderner Lebensmittelbetrieb. Die Hygienevorschriften sind komplett anders, so muss beispielsweise die Rückverfolgbarkeit gewährleistet sein und das Mindesthaltbarkeitsdatum muss angegeben werden. All dies kannte man früher nicht.
Heute treten die Hersteller auch wieder mit ihren eigenen, unterschiedlichen und typischen Flaschen auf, also ganz in entgegengesetzter Richtung als vor 40 Jahren.
Des Weiteren hat sich auch die Grösse des Betriebes geändert. 1999 waren wir noch neun, heute beschäftigen wir 35 Mitarbeiter.

Mit «Flauder» haben Sie im Jahr 2002 ein Blütenquellwasser geschaffen, das heute in der ganzen Schweiz bekannt ist. Später folgten «Wonder» und «Himml». Welche Idee steht hinter dieser Getränkelinie?
Neben unseren altbewährten Limonaden (Citro, Orange, Bergamotte etc.) wollten wir nach modernen Ernährungsüberlegungen eine zeitgemässe Limonade erschaffen, das heisst weniger Kalorien, wenig oder kein Zucker. Auch die Regionalität sollte stärker hervortreten. Das Produkt sollte zur Gegend passen. Was liegt da näher als Blüten und Kräuter? Holunderblüten, Löwenzahn, Rosen ...

Wie erklären Sie sich den Erfolg von «Flauder»?
Mit Flauder ist es uns gelungen, die Getränkelandschaft aufzurütteln! Es hat einfach gepasst - es entsprach dem Zeitgeist. Der Bezug zur Region kam zum Tragen, das wollten wir auch mit dem Namen zeigen. Ein Flickflauder ist in unserem Dialekt ein Schmetterling.
Es war schon aussergewöhnlich, dass eine kleine Firma wie «GOBA» es schaffte, sich auf dem schweizerischen Markt zu positionieren, schweizweit hatten wir ja noch keinen grossen Namen. Vielleicht liegt es daran, dass unser Betrieb Charakter ausstrahlt, kein 08/15 Betrieb ist. Wir leben unsere Grundsätze und stehen zu dem, was wir sagen. Wir freuen uns, dass wir die Wertschöpfung massgeblich hier im Appenzellerland schaffen und somit unseren Beitrag als Arbeitgeberin und in der Lehrlingsausbildung leisten. Heute wählen Gastronomie, Konsument und Verteiler bewusster. Man möchte genau das Fleisch von diesem Metzger, genau diese Eier, dieses Mineralwasser. Dann ist man auch bereit, etwas mehr dafür zu bezahlen.

Und die neusten «Flauder»-Kreationen,Flauder Holunderbeeren und Flauder Quitten-Rhabarber, sollen an diesen Erfolg anknüpfen?
Das hoffen wir natürlich. Am 1. März diese Jahres kamen unsere zwei neuen Kinder auf den Markt. Sie hatten einen guten Start und laufen gut. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es natürlich noch zu früh, Genaues zu sagen, aber wir sind zuversichtlich.
Flauder Holunderbeeren und Quitten-Rabarber produzieren wir ausschliesslich für den Detailhandel. Sie sind vorläufig nur in PET-Flaschen erhältlich und deshalb für die Gastronomie noch nicht so geeignet.

Wie entsteht ein neues Produkt? Brüten Sie an der Idee allein im stillen Kämmerlein oder steht ein ganzes Team dahinter? Es braucht beides. Ich möchte es so beschreiben: Die Küche ist immer in Betrieb und dort steht ein Topf, der ständig brodelt. Immer wieder wird etwas ausprobiert. Ein Produkt mit Rhabarber wollte ich schon immer machen, schon bei der Entwicklung von «Wonder», unserer Rosenwasserkomposition. Aber leider vertrugen sich die Rosen nicht mit dem Rhabarber. Geschmäcker müssen einander ergänzen.
Die Entwicklung kann zum Bespiel mit einem Sirup beginnen. Das ist die Idee. Daraus ein marktfähiges Produkt mit Namen und Zielpublikum zu entwickeln ist die harte Arbeit. Dazu braucht es viele Köpfe. Einesteils leisten wir diese Arbeit inhouse: Im Forum wird degustiert, nachgedacht, werden Werbung und Marketing besprochen. Andererseits brauchen wir Fachleute, Getränketechnologen, mit ihren Labors dazu. Bis eine neue Geschmacksrichtung auf den Markt kommen kann, dauert es zwei bis drei Jahre.
Bei unseren neuen Flauder-Getränken haben wir erstmals auch die Verantwortung für einen Kräuterzusatz übernommen, den wir vom Kräuteranbau weg bis zur Essenz in unserer Hand behalten. Wir arbeiten mit Kräuterbauern im Säntisgebiet zusammen. Unsere Arbeit wird dadurch jedoch nicht einfacher - neue Herausforderungen erwarteten uns! Es gibt Anbauverträge, Inhaltsstoffen und Qualität müssen definiert sein, die Verarbeiter der Kräuter müssen auch zertifiziert sein, damit korrekte Abläufe garantiert sind. Es ist spannend, aber auch sehr intensiv. Wir eignen uns dabei völlig neues Wissen an.

Sie verwenden für ihre Getränke also Kräuter und Blüten aus dem Säntisgebiet. Wie wichtig ist Ihnen Regionalität?Bei unseren neuen zwei Kreationen wurden Kräuter aus der Ostschweiz verwendet. Beim Flauder, der ja unser erstes Produkt in diese Richtung war, werden die Essenzen von ausserhalb eingebracht. Das können wir leider nicht mehr ändern, denn sonst bekäme das Produkt einen andern Geschmack. Der Markt und die Verbraucher reagieren sehr sensibel auf Veränderungen. Das heisst jedoch nicht, dass wir es nicht versuchen! Heute gibt es mehr Anbaumöglichkeiten und in fünf Jahren wird wieder alles anders sein. Denn, was möglich ist, das machen wir auch!
Was uns ausserdem auszeichnet, ist die Wertschöpfung in der Region. Wir haben die Verantwortung für 35 Mitarbeiter und nehmen damit auch unsere Verantwortung der Region Appenzell gegenüber wahr. Dementsprechend steht der Name Appenzell auch auf den Flaschen der Flauder-Linie. So wird der Name der Region weit über deren Grenzen hinausgetragen!

Regionalität ist also auch wichtiger Bestandteil des Marketings? Ja, wir wollen mit unserer Verwurzelung in der Region einen Mehrwert schaffen. Unsere kreativen Verpackungen und unser Auftritt transportieren das. Sie sind speziell und auch auf den zweiten und dritten Blick noch spannend!

Ihr Engagement geht aber weit über die Region hinaus. Mit der Aktion «GOBA-Fonds für Wasser in der Welt» unterstützten Sie weltweite Hilfsprojekte. Was steckt dahinter?
Wir haben diesen Fonds 2009 gegründet. Schon mein Grossvater hatte immer einen Topf, in dem ein Teil des Gewinnes gesammelt wurde. Sein Vorbild war Duttweilers Kulturprozent. Wenn jemand Hilfe brauchte, bekam er sie. Ob direkt vor der Haustüre oder auch weiter weg - es gab Kontakt nach Brasilien und Afrika. Dies wurde immer so gehandhabt, man sprach jedoch nicht darüber.
Ich hatte das zu Beginn so übernommen und nach unseren Möglichkeiten unterstützen wir immer Projekte. Jetzt denken wir, dass wir über dieses Verhalten auch reden können - vielleicht sogar müssen. Wenn es uns gut geht, dann haben wir auch in diesem Bereich ein Stück Verantwortung zu übernehmen.
Bei den 80cl-Glasflaschen gehen fünf Rappen pro Flasche in den Gobafonds. Wir haben ihn an diese Flasche gekoppelt. Unsere Idee ist, ausgesuchte, nachhaltige Wasserprojekte zu fördern. Den Anfang machten wir mit einer Wasseraufbereitungsanlage für ein Waisenhaus in Thailand, im Jahr 2010 unterstützen wir ein Projekt in Afghanistan .
Besonders freut mich, dass unsere Idee bereits Früchte in der Schweiz trägt: Einige Gastronomen lassen die Rückvergütung, die ihnen zusteht, ebenfalls diesem Fonds zukommen!

2005 wurden Sie zur Unternehmerin des Jahres gewählt. Was bedeutet Ihnen dieser Titel?Bis dahin blieb meine Aufbauarbeit im Betrieb eher im Verborgenen. Danach erhielt ich Annerkennung, man nahm die gute Arbeit wahr und ich wurde von da an als Fachperson gesehen.

Sie wurden damals von der Presse als «mutig, eigen und anders» beschrieben. Sehen Sie sich selber auch so?
Es braucht «Eigenheit», ein Betrieb in dieser Grösse steht und fällt mit der Leitung. In allen Schritten steckt ein Stück «Gabriela Manser» drin.
Mutig? Ja, es galt und gilt immer wieder Entscheidungen zu fällen. Das ist Unternehmertum. Man sieht nicht im Voraus, wohin uns ein neuer Schritt bringen wird. Es gab und gibt auch schwierige Situationen. Das sind für mich Herausforderungen und mit jeder neuen wachsen wir. Wichtig ist, innovativ zu bleiben, Neuland zu betreten, Verantwortung zu zeigen.

Wie würden Sie Ihr persönliches Erfolgsrezept beschreiben?
Für mich ganz persönlich brauche ich immer wieder etwas Abstand, damit ich sehe und empfinde, wo ich stehe, was für einen Schritt jetzt gerade nötig ist. Dafür brauche ich jeden Tag auch Zeiten für mich selber. Zum Glück habe ich meine Atemarbeit. Diese ermöglicht mir schnell und gründlich mich zu erden, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und sie gibt mir die nötige Gelassenheit. In meinem Fall heisst das auch, sich Bodenständigkeit zu bewahren. Wenn ich mir meiner eigenen Wurzeln bewusst bin, kann das Glück ruhig anklopfen.

Gabriela Manser wäre nicht Gabriela Manser, wenn Sie nicht bereits eine neue Kreation im Köcher hätte. Was ist als nächstes zu erwarten?
(Schmunzelt) Top secret.

Dann freuen wir uns auf weitere überraschende Kreationen aus dem Hause GOBA!

Frau Manser hat ausserdem ein wundervolles Märchen geschrieben.
«'s Wonder vom Alpstee» ist als CD erhältlich unter: www.mineralquelle.ch - Extras/Goba Bonus/Wonder Märli



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