Aus ganzem Herzen Toggenburg

Roland Stump hat die CULINARIUM-Krone 2019 für Gastronomen nach Wildhaus geholt. Im Hotel Stump’s Alpenrose begeistert der Weinkenner und passionierte Jäger seine Gäste mit einem grossen Gastgeberherz, hervorragender lokaler Küche und kulturellem Engagement.

Das Hotel «Stump’s Alpenrose» in Wildhaus wird seit 1883 von der Familie Stump geführt. Seit 2013 ist Roland Stump (58) alleinverantwortlicher Geschäftsführer und Gastgeber. Die hervorragende Küche des Hauses wird massgeblich geprägt von Chef Stefan Radzuweit, dank dessen handwerklichem Können das einzigartige Angebot an Wildspezialitäten möglich ist. Weit über hundert Tiere verarbeitet er mit seinem Team in einer Saison. stumps-alpenrose.ch

Stumps Alpenrose

Roland Stump (v. l.) wird als Gastgeber vom Führungs-Team Cindy Stump, Nadine Fritsche, Stefan Radzuweit, Brigitte Werder sowie von 25 Mitarbeitenden und sieben Auszubildenden unterstützt.

Was bedeutet Ihnen die Krone?
Sie ist die Anerkennung für unsere Haltung, die seit jeher unsere Arbeit und unser Leben durchdringt. Wir wollen, dass unsere Gäste Wildhaus und das Toggenburg aus Küche und Keller echt und authentisch erleben.

 

Sie sind in diesem Hotel aufgewachsen. Was haben Sie als Bub am liebsten gemacht in der «Alpenrose»?
Ich «pirschte» durch den Betrieb, schaute mal in der Bäckerei, mal in der Küche vorbei oder hörte am Stammtisch den spannenden Gesprächen der Gäste zu, insbesondere den Schilderungen der Jäger. Dabeisein und mitbekommen, wie und was geschieht, das war mein grösstes Vergnügen.

 

Ihr Bruder Birger trat zielstrebig in die Fussstapfen Ihrer Eltern. Er lernte Koch und besuchte die Handels- und Hotelfachschule. Sie hingegen machten eine humanistische Matur und wurden Sportjournalist.
Ja, ich war damals quasi der «Ersatzspieler», der aushalf, wenn Not am Mann war. Erst später kam ich mit meinem Bruder überein, dass wir den Betrieb gemeinsam übernehmen. Also machte ich den Abschluss der Hotelfachschule Luzern und arbeitete ab 1984 im Hotel.

 

War es für Sie als Familienmitglied einfacher, die «Stump’s Alpenrose» weiterzuführen, als wenn dies ein «Fremder» täte?
Stump’s Alpenrose war von Anfang an ein Familienbetrieb. Er ist über vier Generationen ausschliesslich von Mitgliedern der Familie aufgebaut und geführt worden. Diese Tradition begründet eine eigentliche Betriebskultur, die bei den Gästen verständlicherweise die Erwartung schürt, dass sie von der Familie Stump als Gastgeber empfangen werden.

 

«Ihre» Alpenrose gilt als eines der besten Seminar-Hotels der Ostschweiz. Was machen Sie gut?
Wir punkten mit der attraktiven Lage am Schwendisee und dem Panorama der einzigartigen Wildhauser Bergwelt zwischen Churfirsten und Alpstein. Auch für die Seminarteilnehmer sind wir eine Schnittstelle, wo für sie der digitale Alltag aufhört und sie sich auf die analoge Natur einlassen können. Hinzu kommt die professionelle Tagungs- und Freizeitinfrastruktur. Doch bei aller perfekten Technik fühlen sich die Menschen hier daheim und können sich entspannen. Ich habe das Gefühl, sie empfinden die Toggenburger Gastfreundschaft in «Stump’s Alpenrose» als authentisch.

Damit Ihnen das gelingt, müssen Sie am Puls der Zeit bleiben. Wie bilden Sie sich weiter?
Mir ist der regelmässige Austausch mit Berufskollegen wichtig, und die Fachpresse liefert wertvolle Informationen und Impulse. Meine Tochter Vivien hat eben ihre Ausbildung als Hotelfachfrau abgeschlossen und bringt wertvolles, frisches Know-how in den Betrieb. Als Vorstand bei Toggenburg Tourismus, als Verwaltungsrat bei der Säntis Schwebebahn AG und bei der Sport- und Freizeit AG setze ich mich ständig mit aktuellen Trends und Ideen im Tourismus auseinander.

 

Genuss spielt in Ihrem Leben eine wichtige Rolle. Sie sind Jäger, Weinkenner und lieben gute Küche.
Ich bin im Sternzeichen Stier geboren – also ein Genussmensch. Ja, ich liebe es, ins Leben einzutauchen. Das kann als Jäger auf der Pirsch und in der Natur sein oder beim «Skelettieren» eines Weines und dabei zu erforschen, was im Zusammenspiel von Rebe, Wetter und Winzer Grossartiges entstehen durfte.

 

Verrät uns der Genussmensch Roland Stump sein Lieblingsessen?
Eine Chässchnitte mit Toggenburger Käse, richtig gutem Brot, Gurken, Tomaten, Äpfeln und dem passenden Weisswein. Einfach, aber fein!

 

In Ihrer Küche haben künstliche Konservierungs- und Geschmacksstoffe Hausverbot. Sie setzen auf möglichst frische saisonale und regionale Produkte. Das sind hohe Ansprüche, geht das immer?
Hier und heute geht das problemlos! Die vielfältige Natur der Ostschweiz schenkt uns Produkte von wunderbarer Qualität, die wir im Haus mit bewähtten Methoden verarbeiten und veredeln. Wir setzen klassische Methoden wie Räuchern, Einmachen, Trocknen und Einlegen ein, aber auch moderne wie Vakuumieren oder Schockgefrieren. Alle unsere Gerichte sind auf Produkten aus der Region aufgebaut. Saucen und Brühen aus Knochen, Pestos aus frischen Kräutern, Wild aus einheimischer Jagd, das übrige Fleisch vom Metzger aus der Nachbarschaft und Gemüse und Obst soweit es geht von regionalen Produzenten.

Warum ist Ihnen das wichtiger, als Hummer und Austern aufzutischen?
Diese ehrliche Küche ist für die Gäste interessanter, bietet mehr Genuss und ist erst noch leichter verdaulich. Meine Faszination für Altbewährtes mag antiquiert wirken, doch ich glaube, dass gerade hier in den Alpen die Besinnung auf Traditionen und regionale Identität ein Erfolgsrezept sein wird. Ich stelle mit Freude fest, dass sich unsere Gäste gern darauf einlassen, die Unterschiede spüren und Ursprüngliches schätzen.

 

Sie haben noch ein anderes grosses Ziel vor Augen. Auch da geht es um die Bewahrung eines Erbes.
Genau! Das Klanghaus Toggenburg und der Aufbau der Klangschwendi zu einem eigentlichen Campus liegen mir am Herzen. «Stump’s Alpenrose» als Zentrum dieses Campus soll zu einem Ort werden, der Menschen mit Klang in der Natur inspiriert – ein Lebensraum im wahrsten Sinn des Worts.

 

Ein Wort noch zu CULINARIUM.
Wir waren und sind aus Überzeugung von Beginn an Mitglied beim Trägerverein. Die Zusammenarbeit und unseren Dialog empfinde ich in jeder Beziehung als lebendig, unterstützend und inspirierend. Aus der Zusammenarbeit entwickeln sich regelmässig Projekte, über die wir die gemeinsame Idee von der Wertschöpfung in der Region nach aussen tragen. Das macht mir viel Freude!

Roland Stump Walter Müller

Walter Müller übergibt Roland Stump
die Königs-Krone 2019