Fisch, frisch aus dem Goldingertal

In der Hintermüli, in einer Talsenke zwischen Goldingen und Rüeterswil, ist Toni Hefti aufgewachsen. Hier lebt er noch heute und führt einen auf Mutterkuhhaltung spezialisierten Bauernhof und eine Auto-Reparaturwerkstatt. Mit der Fischzucht hat er sich vor 20 Jahren ein weiteres berufliches Standbein aufgebaut. Frische Forellen!

 

Mit Wasser ist Toni Hefti von je her verbunden. Der Goldingerbach, der in unmittelbarer Nähe seines Hauses talabwärts in Richtung Zürichsee fliesst, war in seiner Kinderzeit ein willkommener Spielplatz. Und das Wasser bringt Heftis den Strom. Eine Getreidemühle und eine Sägerei, die hier bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in Betrieb waren, haben der Hintermüli zu einem alten Wasserrecht verholfen. «Es ermöglicht uns, ein eigenes Wasserkraftwerk zu betreiben», erzählt Toni Hefti. An die Mühle erinnert sich der Landwirt und Automechaniker allerdings nur noch vage – sie wurde 1958 abgebrochen. Die Sägerei hingegen ist Teil seiner Jugenderinnerungen. Sein Vater hat dort noch ihn Lohnarbeit für die Bauern der Umgebung Holz gesägt.

 

Überliefertes Wasserrecht

Vor 13 Jahren haben Heftis das Wasserkraftwerk mit einer neue Turbine ausgerüstet: Kostenpunkt gegen 120’000 Franken. Ob sich diese Investition jemals rechnet, wird sich zeigen. Für Toni Heft ist das jedoch nicht wichtig, das Kraftwerk erhält er aus Idealismus und wegen seiner Verbundenheit mit dem Element Wasser. Der so erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist und reicht, um Haus, Hof und Werkstatt mit Energie zu versorgen. «Es bleibt sogar noch was übrig», betont Toni Hefti.

Der «Hintermüli»-Landwirt ist stark mit der Natur verbunden. Ebenso seine Frau Therese, die auf dem Hof tatkräftig anpackt. «Wir leben hier auf dem Land, in einer noch weitgehend intakten Landschaft. Entsprechend richten wir unser Tun an der Natur aus», sagt sie. Im Stall stehen derzeit acht Kühe und nochmals so viel Jungvieh, dazu ein Stier, der auf natürlichem Weg für Nachwuchs sorgt. Dabei handelt es sich um eine von Toni Hefti auf die Bedürfnisse dieser Gegend herangezüchtete Mischrasse mit Anteilen von Dexter, Hinterwäldler und Angus. Die Kühe sind von geringerer Körpergrösse und eignen sich somit gut zum Weiden auf den meist steilen Wiesen rund um die Hintermüli.

Vor Jahren schon hat sich Toni Hefti auf Mutterkuhhaltung spezialisiert. Das heisst, dass die Tiere nur in den kalten Wintermonaten im Stall gehalten werden; vom Frühling bis in den späten Herbst hinein ist die ganze Herde gemischt auf der Weide. «In dieser Zeit beschränkt sich meine Aufgabe in Bezug auf das Vieh auf wenige Kontrollgänge und das Treiben auf eine andere Weide», erklärt Toni Hefti.

 

Mit Pferden und Kutsche unterwegs

Langweilig wird ihm aber trotzdem nicht. Einerseits muss im Sommer das Futter für den Winter eingebracht werden, anderseits gibt es auch in der Auto-Reparaturwerkstatt einiges zu tun. In der Werkstatt ist Toni Hefti inzwischen aber kaum mehr anzutreffen, dort hat seit 2009 sein Sohn das Sagen. Dafür sitzt der 58-Jährige immer häufiger auf dem Kutschbock und fährt mit einem von Freiberger Pferden gezogenen Gesellschaftswagen oder einer Kutsche durch die Gegend. Hefti ist Mitglied der Kutschenvereinigung Einsiedeln und Linthgebiet und zwischen im Frühling und Herbst nahezu jedes Wochenende mit Gespann, Wagen und Passagieren unterwegs – nicht selten auch für Hochzeiten.

Die Liebe zu den Pferden teilt er mit seiner Frau, die Rollen im Kutschenbetrieb Hefti sind aber klar verteilt. Er ist als Kutscher für den Transport der Gäste zuständig, sie striegelt die Pferde, bereitet den Wagen vor und schmückt ihn mit Blumen.

 

Fischzucht seit 20 Jahren

Kühe und Pferde sind aber längst nicht alle Tiere, die sich um den Hof in der Hintermüli tummeln. Da wären noch Hund Darco, ein Pfau, einige Hühner und diverse Kaninchen. Und nicht zu vergessen tausende von Fischen – vom Brütling über den Jährling bis hin zur ausgewachsenen Forelle – die in den Teichen und kleineren und grossen Wasserbehältern der näheren Umgebung schwimmen.

Es war vor 20 Jahren, als Toni Hefti neben dem Werkstattgebäude den ersten Teich angelegte und darin Jährlinge aussetzte. Sozusagen für den Eigenbedarf, denn im Hause Hefti kam regelmässig Fisch auf den Teller. Schon bald kamen auch Bekannte auf den Geschmack von frischem Goldinger Fisch und der Bedarf wuchs. Hefti baute seine Fischzucht aus und wagte sich schon bald einmal daran, selber Brütlinge zu züchten – nach dem Motto «Lernen durch ausprobieren», aber auch mit Hilfe einiger Tipps von einem erfahrenen Fischzüchter. Nach einigen Jahren hatte er dann die Tücken der Fischaufzucht im Griff. Die Eier der Rogener (Weibchen) müssen fachgerecht abgestrichen und mit der Milch der Männchen gemischt werden. «Es braucht schon eine gehörige Portion Erfahrung, um bei dieser Art von Befruchtung eine möglichst grosse Ausbeute zu erhalten», betont Hefti. Bis aus den so befruchteten Eiern Brütlinge schlüpfen, dauert es eine bestimmte Zeit. Der Fachmann spricht von 330 Grad, das heisst, dass der Vorgang bei zehn Grad kaltem Wasser 33 Tage benötigt. Ist das Wasser wärmer, schlüpfen auch die Brütlinge schneller.

 

5’000 bis 7’000 Fische pro Jahr

Die Fischzucht erfordert neben einem grossen Wissens- und Erfahrungsschatz auch viel Geduld und Zeit. Eine Fischzucht kann nicht von heute auf morgen aufgebaut werden. Allein das Heranwachsen des Brütlings zum geschlechtsreifen Fisch dauert nämlich drei Jahre. Die tägliche Arbeit des Fischzüchters hält sich zwar im Rahmen, eine längere Abwesenheit kann er sich aber trotzdem nicht erlauben. Für Toni Hefti ist dies aber kein Problem: «Ich habe den Plausch an dieser Arbeit.» Inzwischen «produziert» er jährlich zwischen 5000 und 7000 Fische, die meisten davon sind Regenbogenforellen, ein kleiner Teil Saiblinge und Bachforellen. Um Abnehmer muss er sich nicht sorgen. Es hat sich in den letzten Jahren von allein herumgesprochen, dass in der Hintermüli Forellen von besonderer Güte erhältlich sind. Forellen, die ohne Einsatz von chemischen Zusätzen, Mastbeschleunigern oder Antibiotika in klarem Quellwasser heranwachsen.

Kommt hinzu, dass der Fisch garantiert frisch geliefert wird. «Wenn für den Nachmittag Forellen oder Saiblinge bestellt werden, schwimmen sie am Morgen noch im Teich herum», sagt Toni Hefti. In der Vorbereitung der Fische für die Auslieferung sind die Aufgaben bei Heftis klar definiert. Während Toni Hefti für das Ausnehmen zuständig ist, besorgt seine Frau das fachgerechte Filetieren. Geht es um das Räuchern, ist wiederum der Hausherr zuständig.

 

«Petri Heil» im Goldingertal

In der Woche vor Ostern ist die Nachfrage nach Fisch besonders gross. «Dann kommen wir kaum zum Verschnaufen», betont Therese Hefti. Vor allem am Gründonnerstag sei «Grosskampftag», fügt sie schmunzelnd an. Rund 500 Stück werden allein an diesem Tag ausgeliefert oder direkt abgeholt. Ansonsten kennt der Fisch auf der Speisekarte keine Saison. Er ist, da reich an Omega-3-Fettsäuren, äusserst gesund und deshalb zu jeder Jahreszeit gleichermassen beliebt. Beliebt ist auch ein weiteres Angebot der Goldinger Fischzucht: Auf Wunsch können Kunden nämlich ihr Angelglück herausfordern und, ausgerüstet mit Rute und Köder, die Forelle selber aus dem grossen Teich neben dem Goldingerbach fischen. Na dann: Petri Heil.