Geissen und Schafe, naturnah gehalten

Geissen und Schafe haben es Daniel Egli angetan. Sie begleiten ihn durchs ganze Jahr – bis auf jene Wochen im Sommer, die sie auf der Alp verbringen. Das Fleisch der Jungtiere und die Ziegenmilch bescheren ihm ein Nebeneinkommen. Für den Hobbybauern aus Frümsen sind die Tiere aber nicht ein Geschäft, sondern ein schöner Ausgleich, der auf einer grossen Schollen- und Naturverbundenheit beruht.

 

Eigentlich ist er ein Städter, aufgewachsen mitten in der Altstadt von St.Gallen. Dem Landleben, den Tieren und der Landwirtschaft, fühlte er sich aber schon als kleiner Bub verbunden. Für ihn waren die Ferienaufenthalte in Frümsen auf dem Bauernhof seines Onkels deshalb nie ein Müssen, sondern reine Freude. Das Werdenberg, wo sein Vater und seine Mutter herstammen, war damals Daniel Eglis zweites Zuhause. Heute ist es seine Heimat. Vor 22 Jahren ist er nach Abschluss seiner Ausbildung zum Zimmermann von St.Gallen nach Frümsen umgezogen, ins einstige Ferienhaus seiner Eltern. Mit seiner Frau Andrea und den beiden Töchtern (4 und 6 Jahre alt) hat er hier Wurzeln geschlagen. Im Dorf am Fusse der Kreuzberge fühlt sich die Familie wohl und geniesst die Freiheit, die das ländliche Leben bietet.

 

Aus Freude an der Landwirtschaft

Für Daniel Egli bot der Umzug ins Werdenbergische die Möglichkeit, seine Affinität zur Landwirtschaft und zu Tieren auszuleben. Angefangen hat er mit einem Meerschweinchen, inzwischen sind es zwei Enten, 70 Schafe mit ihren Lämmern, 20 Ziegen und fast ebenso viele Gitzi, Katzen und zwei Hunde. «Boarder Collies, die eignen sich hervorragend als Hütehunde», betont der 43-Jährige. Bis vor einem Jahr stand auch noch ein Pferd im Stall, es musste aber altershalber eingeschläfert werden. Für Daniel Egli war dies keine einfache Entscheidung. 24 Jahre hat ihm der Freiberger bei der Arbeit auf dem Hof und im Wald – Egli arbeitete lange Jahre auch im Forstdienst – treue Dienste geleistet.

 

Werksarbeiter und Hobbybauer

Ziegen und Schafe sind inzwischen Daniel Eglis Passion. Eine Passion, die ihn pro Tag rund vier Stunden Zeitaufwand kostet – auch am Wochenende. Morgens um Viertel nach Fünf ist bei ihm Tagwache. Zuerst werden die Schafe gefüttert, dann die Ziegen, die anschliessend auch noch gemolken sein wollen. Ab acht Uhr steht der Hobbybauer in der Werkstatt der Sulzer Mixpac AG in Haag, wo er als Hauswart für die Arbeitssicherheit im Betrieb zuständig ist. Den Werktag schliesst er dann wieder im Stall ab, beim Füttern und Melken der Tiere. Die Doppelbelastung als Werksarbeiter und Hobbybauer belastet ihn nicht. Im Gegenteil, die Arbeit im Stall bringt ihm den Ausgleich. Motivationsprobleme hat er höchstens dann, wenn die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt sinken. «Wer friert bei der Arbeit schon gerne?», sagt er dazu.

Im Sommer, dann, wenn sowohl die Schafe als auch die Ziegen auf der Alp sind, entfällt diese morgendliche und abendliche Tätigkeit im Stall. Dafür muss an den schönen Tagen das Futter für den Winter eingebracht werden. Insgesamt bewirtschaftet Daniel Egli zwölf Hektaren Weideland. Die steinigen Böden machen das Mähen der Wiesen allerdings nicht ganz einfach. Oft ist Handarbeit angesagt. Dass er dabei auf die Unterstützung seines Cousins Fritz Egli – er bewirtschaftet das Land unterhalb des «Äckerlis» – zählen kann, erleichtert ihm die Arbeit sehr.

 

Im Sommer auf der Alp

Gemeinsam mit seinem Cousin betreibt Daniel Egli auch die Alp unterhalb des Berggasthauses Staubern. Eglis haben die Alp gepachtet und sömmern hier schon seit mehreren Jahren ihre Schafe. Während dieser Zeit schaut Daniel Egli ein- bis zweimal pro Woche auf der Alp zum Rechten, kontrolliert die Zäune und wirft einen prüfenden Blick auf die Tiere.

Weniger Aufwand hat er mit den Ziegen, die er im Sommer auf Alp Malschüel in bester Obhut weiss. Und trotzdem ist er auch dort regelmässiger Gast. Als Stellvertreter des Alpmeisters hilft er aktiv mit, wenn Not am Mann ist. Die Alp Malschüel wird vom Verein Ziegenfreunde bewirtschaftet. Sie ist das jüngste Projekt des 2004 gegründeten Vereins, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Ziege und ihre Produkte zu fördern. Auf der Alp haben die Ziegenhalter der Region die Möglichkeit, ihre Milchziegen zu sömmern. Die Geissen haben auf den saftigen Alpweiden grossen Auslauf. Ihre Milch wird vor Ort zu Alp-Geisskäse verarbeitet. Für Daniel Egli ist die Ziegenalp «e gfreute Sach». «Den Ziegenbauern bietet sie im Sommer eine Entlastung, die Alp liegt in der Region und bringt erst noch einen hervorragenden Käse hervor», kommt er ins Schwärmen.

 

Geisskäse von Toggenburger Ziegen

Zurück ins Tal, auf den Bauernhof von Daniel Egli. Die 20 Ziegen – die meisten davon sind Toggenburger Ziegen – bringen ihm im Frühling, nachdem sie ihre Jungen bekommen haben, zwischen 30 und 40 Liter Milch pro Tag. Sie wird in Säcke abgefüllt, tiefgefroren und in dieser Form alle zwei Wochen an den Bangshof nach Ruggell geliefert, wo daraus Geisskäse hergestellt wird. Im Milchkessel der Bangshofer Käserei kommt hauptsächlich Milch von Toggenburger Ziegen zusammen. Das Endprodukt wird als «Geisskäse von Toggenburger Ziegen» verkauft und ist inzwischen auch mit der «Slow Food»-Schnecke erhältlich.

Dass in der Ostschweiz Geisskäse im Allgemeinen und Slow Food-Käse im Speziellen produziert wird, ist ebenfalls ein Verdienst des Vereins Ziegenfreunde. 2006 haben sich Ziegenzüchter aus dem Werdenberg und dem Toggenburg zusammengetan und mit der Schaffung eines Ziegenmilchpools den Absatz der Ziegenmilch selber in die Hand genommen. Und dies mit grossem Erfolg: Der Bangshof ist in der Region nur einer von mehreren Betrieben, in dem Geisskäse hergestellt wird.

 

Gitzifleisch aus naturnaher Haltung

Neben der Milch bringt Daniel Egli auch das Fleisch der Ziegen einen Nebenverdienst. «Allerdings nur in einem geringen Mass, denn Ziegenwürste sind nach wie vor Nischenprodukte», betont er. Dasselbe gilt auch für das Fleisch der Gitzis, das hauptsächlich in den Wochen um Ostern gefragt ist. In enger Zusammenarbeit mit dem Trägerverein Culinarium setzt sich der Verein Ziegenfreunde mit den «culinarischen Frühlingswochen» auch für die Vermarktung von Gitzifleisch ein. Während dieser Zeit rund um Ostern nehmen Gastrobetriebe, aber auch Lebensmittelfachgeschäfte der Region das Thema Gitzi in die Speisekarte und ins Sortiment auf. Die Ziegenhalter sind das erste Glied in der Kette zu dieser Aktion. Sie sind verantwortlich für die artgerechte Haltung und naturnahe Fütterung mittels Milch und Heu, gänzlich ohne Zugabe von Wachstumsförderern. Dafür garantieren sie mit der Unterzeichnung eines entsprechenden Pflichtenheftes. Dabei wird bewusst in Kauf genommen, dass das Fleisch der Gitzis in der Farbe leicht rosa wird. Auf die Qualität hat dies nämlich keinen Einfluss, wohl aber auf das Tierwohl.
Auch Daniel Egli ist ein Produzent von Gitzis, die auf dem Hof seines Cousins getreu der Richtlinien des Vereins Ziegenfreunde aufgezogen werden. Für ihn ist eine tiergerechte Haltung eine Selbstverständlichkeit. «Wir leben hier im ‹Äckerli› inmitten der Natur und richten uns bei der Haltung der Tiere auch an der Natur aus. Diese Philosophie lassen wir auch in die Vermarktung der Produkte einfliessen», gibt Daniel Egli zu Bedenken.

 

Die Natur als Energiequelle

Die Natur – die Weiden um seinen Hobbybetrieb in Frümsen, die Alpen auf Stauberen und Malschüel und der Wald in der näheren Umgebung – sind Daniel Eglis Energiequellen. Und seine Tiere bringen ihm den Ausgleich zur Arbeit im Werkbetrieb. Aus dem einstigen Stadtkind ist ein leidenschaftlicher Hobbybauer geworden. Im «Äckerli» ob Frümsen hat Daniel Egli mit seiner Familie Wurzeln geschlagen. Das Land gibt ihm Bodenhaftung.

 

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