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21 Jahre Genuss aus der Region

Ein Interview mit CULINARIUM-Gründer Urs Bolliger

Der Trägerverein CULINARIUM wurde im März 2000 gegründet, um die kulinarische Wertschöpfung in der Region bewusster und wirtschaftlich erfolgreicher zu machen – von der landwirtschaftlichen Urproduktion bis zur Sternegastronomie. Es funktionierte: Die Idee der Regionalität ist heute in der Ostschweiz stark verankert, und die gelbe Krone ist ein vertrauter Anblick, der Sympathie und Vertrauen geniesst.

Geschäftsführer Urs Bolliger war an Bord, als der Trägerverein CULINARIUM gegründet wurde. Er hat in den letzten zwanzig Jahren einen tief greifenden Wandel miterlebt und mitgestaltet. Im Interview denkt er nach über die bewegte Geschichte und über die Zukunft.

Welche Aufgabe stand im Vordergrund,
als du deinen Job bei CULINARIUM angetreten hast?

«Am Anfang stand viel Überzeugungsarbeit bei den Produzenten. Warum soll man sich gemeinsam organisieren? Was bringt es, wenn man die Produkte aus der Region auch hier verarbeitet? Wir hatten noch keinen Leistungsausweis, und bei vielen Gesprächspartnern waren wir am Anfang der Nullerjahre Exoten.»

Wie gewann der Trägerverein das Vertrauen der Produzenten?

«Sie wussten nicht so recht, wie sie uns einordnen sollten. So bestand mein Job in den Anfängen vor allem darin, konkrete Projekte im Alleingang anzupacken, umzusetzen und für gute Resultate zu sorgen. Uns war von Beginn weg klar, dass wir in erster Linie die Abnehmer für ein Regionalitätskonzept gewinnen mussten. So habe ich ganz viele Kontakte zum Detailhandel geknüpft und versucht, sie zu überzeugen, ein Regiokonzept im Verkauf auszuprobieren».

Gab es zu Beginn einen Meilenstein?

«2003 hat dann die Migros Ostschweiz als zweite Genossenschaft in der Schweiz mit der Kampagne Aus der Region – für die Region (AdR) angefangen. Wir standen mit der CULINARIUM-Zertifizierung Pate für alle AdR-Produkte. Das war der Moment, als unser kleines Pflänzchen die überlebenswichtigen Wurzeln schlug und kräftig zu wachsen begann.»

Wie wuchs CULINARIUM dann weiter?

«Seither ging und geht es immer wieder darum, die Gastronomie für den Regionalitätsgedanken zu gewinnen. In den Anfängen bin ich durch alle Ostschweizer Regionen gekurvt und habe an Abendveranstaltungen Regionalität gepredigt. Unsere Aufgaben sind zunehmend aufwendiger und vielfältiger geworden. Ich musste mich also auch um den Aufbau eines Teams kümmern, das all die unterschiedlichen Ansprüche professionell erfüllen kann.»

Was hat der Verein in den letzten zwanzig Jahren erreicht?

«Wir sind von einer damals neuen und abstrakten Projektidee zu einer breit abgestützten Bewegung gewachsen. Am Anfang stand der Gedanke im Vordergrund, dass wir die Bauern, Käser und Metzger mit verschiedenen Massnahmen unterstützen. Der Trägerverein hatte eigentlich den Charakter einer Selbsthilfevereinigung. Heute bringen wir ein Lebensgefühl zum Klingen.»

Wo liegen die Chancen der Regionalität?

«Regional ist hype geworden! Die Geschichten über den Ursprung unserer Lebensmittel interessieren immer mehr Menschen. Sie verbringen ihre Freizeit mit Einkaufen, kochen, Rezepte suchen und austauschen, originelle Produzenten und Produkte entdecken oder selber etwas herstellen. Manch einer mit einem Bürojob sinniert, ob er seinen Lebenstraum nicht doch besser als urchiger Produzent mit einem wilden Bart verwirklichen könnte. Heute gibt es zum Beispiel viel mehr Bierbrauer als noch vor zwanzig Jahren.»

Welche Ziele setzt sich der Trägerverein für die nächsten Jahre?

«Wir wollen weiterhin als Bewegung wachsen und von möglichst vielen Menschen wahrgenommen werden. Dafür müssen die regionalen Angebote für den Konsumenten noch besser sichtbar werden, wenn er im Laden einkauft oder sich auswärts verpflegt. Wir werden uns weiterhin für klare Vorgaben bei der Produktion und Verarbeitung sowie ihre Durchsetzung einsetzen. Gute Geschichten erzählen ist das eine. Das Wichtigste ist das Vertrauen der Kunden und Gäste zu gewinnen und nicht mehr zu verspielen.»