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Bruno Eschmann und die magische Brennkunst

In Niederbüren, an den sonnigen Hängen des Thurtals, baut Bruno Eschmann Obst an. In seiner Säntisblick Destillerie brennt er wie ein Zauberer den Geist von reifen Zwetschgen und Birnen in schöne Flaschen. Mit seinen magischen Bränden begeistert er Liebhaber von hochprozentiger Kulinarik weit über die Region hinaus.

Bruno Eschmann (48) aus Niederbüren ist Landwirt. Er hat den ehemaligen Mischbetrieb seiner Eltern konsequent auf Obstbau umgestellt. An den sonnigen Hängen oberhalb der Thur produziert er Zwetschgen, Kirschen und diverse weitere Obstsorten. Für den engagierten Unternehmer war es naheliegend, einen Teil der Ernte, und insbesondere die unverkäuflichen Früchte als Grundlage für regionale Edelbrände zu nutzen. Er hat in eine professionelle Brennerei-Infrastruktur investiert und sich autodidaktisch ein enormes Know-how angeeignet. Auf dieser Basis ist 2012 die Säntisblick Destillerie entstanden. Diese Investition zahlt sich aus in Form von zahlreichen Auszeichnungen und einem entwicklungsfähigen wirtschaftlichen Standbein. Mehr Informationen zu den zahlreichen attraktiven Angeboten von den Edelbränden im Shop über Degustationen, Firmenanlässe, individuelle Abfüllungen bis zum Crowdfunding für den begehrten Vieille Poire Williams auf:

saentisblick-destillerie.ch

Säntisblick Destillerie Produkte
Bruno Eschmann

Als Bruno Eschmann 1999 den Betrieb seiner Eltern in Niederbüren übernahm, beeinflusste die wunderbare Aussicht auf das Säntismassiv seine unternehmerischen Entscheidungen möglicherweise stärker, als es ihm damals bewusst war. Er setzte auf Obstbau statt auf Milch und verkaufte die Kühe. Auf seinem Land kultivierte er stattdessen Zwetschgen und Kirschen. Seine Laufbahn als Schnapsbrenner begann mit einer ganz nüchternen Überlegung: Wie lassen sich die Früchte nutzen, die bei Regen aufplatzen und unverkäuflich sind? Mit wachsender Faszination machte der Obstbauer aus unverkäuflichen Früchten aromatische Brände, die rasch Anklang fanden in der Umgebung. Daraus entstand die «Schnapsidee» einer eigenen Spezialitätenbrennerei.

Ausgezeichnete

Doch die Idee war gut und die Umsetzung noch besser: Bereits 2008 gewann Eschmann an der 4. Ostschweizer Edelbrandprämierung mit einem Vieille Prune seine erste Auszeichnung mit 17 von 20 Punkten. Im gleichen Jahr begann er mit dem offiziellen Verkauf und liess sich auch von CULINARIUM zertifizieren. In der Folge kamen diverse Auszeichnungen dazu und Bruno Eschmann erweiterte sein Angebot mit Vieille Poire, Gin und schliesslich mit dem Wil Baron Single Malt Whisky. Heute zählt die Säntisblick Destillerie zu den bekanntesten Ostschweizer Produzenten von hochwertigen Spirituosen aus regionalen Rohstoffen. Am regio.tag 2020 in Rorschach gehörte Bruno Eschmann zu den drei Finalisten um die Königskrone in der Kategorie Produktion. Nach seinem Auftritt vor der Fachjury im Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez beantwortete er folgende Fragen.

Was fasziniert dich am Brennhandwerk?

Zuerst einmal dieses alte, traditionelle Handwerk mit all seinen faszinierenden Prozessen und Gerätschaften, die für mich etwas Magisches ausstrahlen. Dann die unzähligen Möglichkeiten zur Variation und Innovation und schliesslich die Faszination aus Früchten, Getreide und Kräutern edle Tropfen herzustellen. Wenn ich damit anderen Menschen Freude und Genuss bereiten kann, dann macht mich das zufrieden.

Erinnerst du dich noch an deine ersten Versuche? Konnte man das Resultat geniessen?

Natürlich hat es am Anfang auch Proben für den Schüttstein gegeben. Aber die Resultate waren schon rasch erstaunlich gut und Freunde, die probieren durften, motivierten uns für mehr.

Es war dennoch ein weiter Weg zu den preisgekrönten Edelbränden, die du heute herstellst. Wie hast du dir all dieses Know-how angeeignet?

Unsere Familie stellte schon immer Likör für den Hausgebrauch her. Dieses Gespür und das Interesse dahabe ich wohl geerbt. Sehr hilfreich war, dass uns mit Arthur Nägele von Anfang an ein versierter Spirituosenberater unterstützte. Dann ist der Austausch im Verkosterkreis, wo diverse Edelbrandbegeisterte mitmachen sehr wertvoll. Vieles war learning by doing, ausprobieren und mit Freude dranbleiben.

Du hast aus deiner Leidenschaft ein erfolgreiches Unternehmen gemacht. Die Leidenschaft allein reicht erfahrungsgemäss dafür nicht. Was hat es dazu noch gebraucht?

Wir hatten das Glück, dass Freunde und Bekannte unseren ersten Vieille Prune kaufen wollten, zuhause mit Freunden genossen und dann auch Flaschen verschenkten und von uns erzählten. Ohne unsere Kunden, Fans und Wiederverkäufer nützt die grösste Leidenschaft wenig.

Du bis 2008 Mitglied bei CULINARIUM geworden. Was hat dir die Mitgliedschaft gebracht?

Die Teilnahme an Gemeinschaftsständen und Märkten sowie die Werbeplattformen sind für uns immer noch wichtig.

Wie entwickelt sich der Markt für Spirituosen? Welche Trends erkennst du? Und umgekehrt: Was verliert an Bedeutung?

Der Spirituosenmarkt als Gesamtes wird kleiner. Die Importe haben stark zugenommen und die im Inland hergestellten Destillate haben dramatisch Marktanteile verloren. Es gibt aber auch Platz für Spezialitäten und Nischen wie unsere Vieille Prune aus eigenen Früchten oder unseren Single Malt Whisky aus regionalem Gerstenmalz.

Neben klassischen Edelbränden aus Obst stellst du mittlerweile auch Whisky und Gin auf preisgekröntem Niveau her? Was darf man vom Brenner Bruno Eschmann noch erwarten?

Es ist einiges auf vielversprechendem Weg. An einer Degustation mit Führung versuche ich immer auch, die Besucher in die Entwicklung miteinzubeziehen, und es gibt Testversionen zum Probieren. Die fertigen Neuheiten präsentiere ich gern am Tag der offenen Tür. Dieses Jahr ist er am 7. November.

Wie kann man seine Gäste mit einem Edelbrand kulinarisch überraschen?

Nehmen Sie die Flasche, an der Sie am meisten Freude haben. Erzählen Sie Ihren Gästen, wo die Früchte gewachsen sind und welcher Brenner da kreativ war. Dann lassen sie die Gäste am eingeschenkten Glas riechen und den Geruch beschreiben. Dann dasselbe mit dem ersten Schluck. Es kann gut sein, dass Sie am nächsten Tag eine neue Flasche kaufen müssen…

Wie stehts mit Spirituosen in der Küche?

Whisky und Gin sind spannende Aromen für Suppen und Saucen, Obstbrände passen gut zu Fruchtsalat und Glace oder als edle Geschmackskomponente für Desserts, Kuchen und Torten. Ich denke da an Tiramisu oder Kirschtorte.

Zwetschgen