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Das Winzerleben ist ein Glück

Das Weingut Schmid Wetli AG aus Berneck gehörte zu den drei Finalisten, die nach der CULINARIUM-Königskrone 2020 griffen.
Im Interview erzählen Kaspar und Matthias Wetli über Mut, Glück und die Trinksitten im Rheintal.

Mathias Wetli

Euer Weingut ist ein grosser, traditioneller Familienbetrieb. Aktuell arbeiten rund 13 Personen hier – die Eltern und drei von den vier Söhnen. Keine alltägliche «Firma».

Kaspar Wetli (KW): Es ist ein Privileg, wenn man in einem Familienbetrieb wie unserem aufwachsen kann. Man wird schon als Kind mühelos mit der Materie vertraut. Die Lehre hat niemand von uns daheim gemacht. Es war wichtig, in anderen Betrieben Erfahrungen zu sammeln.

Aber alle haben einen Beruf in der Weinbranche erlernt und nun sind drei von vier Brüdern im eigenen Weingut tätig. Sie sind quasi die neue Winzergeneration. Machen Sie etwas anders als Ihre Eltern?

Matthias Wetli (MW): Allein von der Ausbildung her hat sich im Vergleich zu früher vieles verändert. Ausserdem sind wir wohl innovativer und mutiger und getrauen uns auch mal etwas Extravagantes auszuprobieren und auf den Markt zu bringen.

Zum Beispiel?

KW: Ein aktuelles Beispiel ist unser Portwein 6TUS Fortuna. Und natürlich die ganze Premiumlinie 6TUS, die zu unserem Aushängeschild geworden ist. Matthias hatte die Idee dazu. Die Produkte wurden möglich durch eine gelungene Mischung von traditionellem Handwerk und innovativer Weinherstellung.

Euer Innovationsgeist wird belohnt. Ihr habt damit wirtschaftlich Erfolg und werdet an renommierten Wettbewerben ausgezeichnet. Der 6TUS-Pinot Noir, Jg. 2015 wurde beispielsweise an der Mondial des Pinots 2018 mit Gold ausgezeichnet.

MW: Ja, das ist grossartig und macht uns auch ein bisschen stolz und glücklich.

Apropos Glück. Das Wort taucht bei euch auffallend häufig auf. Auf der Bestellkarte, der Webseite…

MW: Dahinter steckt eine kleine Geschichte. Nachdem ich meine Lehre in Genf begonnen hatte, rief ich meine Mutter an und sagte ihr spontan: hier fühle ich mich wohl, hier bin ich richtig glücklich. Für mich war es quasi ein Aufatmen nach der langen Schulzeit in Klassenzimmern. Endlich konnte ich draussen arbeiten, anpacken und am Abend müde ins Bett fallen. Ich empfinde das Winzerleben als grosses Glück.

Abgesehen vom Glück. Was ist bei Ihnen im Betrieb wichtig?

KW: Qualität, Teamgeist, Entwicklerfreude, Abwechslung, blindes Vertrauen, Austausch, Kundenkontakt – all das funktioniert bei uns tipptopp.

Auch oder gerade weil bei euch fünf Personen aus der eigenen Familie arbeiten, gibt es keine Konflikte?

KW: Doch, sicher! Aber wir haben alle die Gabe, dass wir nicht nachtragend sind. Meinungsverschiedenheiten werden ausgetragen und danach lassen wir’s wieder gut sein.

Ein Weingut muss sich heute auch Gedanken zu Ökologie, Nachhaltigkeit, Regionalität machen.

KW: Ja, das ist uns sogar sehr wichtig. Deshalb sind wir schon eine ganze Weile daran, alle Bereiche unseres Betriebs zu analysieren und anzupassen. Wir streben das Gütesiegel FAIR & GREEN an, das für Nachhaltigkeit im Weinbau steht. Es bewertet Betriebsführung, Umweltschutz und gesellschaftliches Engagement. Die zertifizierten Weingüter müssen in allen Bereichen hohe Mindestanforderungen erfüllen.

Das klingt nach viel Arbeit.

KW: Ja, aber es ist uns die Mühe wert, denn wir tun es aus voller Überzeugung.

Dann setzen Sie in Ihren Rebbergen also keine Herbizide ein?

MW: Nein, unsere Rebberge sind frei von Glyphosat. Ausserdem bewirtschaften wir verschiedene Versuchsflächen nach Bio-Vorgaben und andere mit neuen pilzresistenten Traubensorten. Wir wissen, dass wir am Puls bleiben und Neues ausprobieren müssen. Das ist übrigens ein aufwändiger Prozess. Bis ein neues Produkt entwickelt ist – also vom Rebberg in die Flasche und schliesslich ins Glas gelangt – dauert es mindestens fünf bis sechs Jahre.

Und die Konkurrenz schläft nicht, gerade in Berneck, wo es vier weitere professionelle Weinproduzenten gibt.

MW: Konkurrenz? Das war einmal! Heute tauschen wir uns aus und stehen uns mit Rat und Tat zur Seite; das bringt alle weiter. Ausserdem wollen wir das Weindorf Berneck im St.Galler Rheintal mit all seinen schönen Seiten und Produkten weit in die Welt hinaustragen.

Eure Rheintaler Weine kommen auswärts gut an, sogar in der Romandie! Wie sieht es denn hier vor der Haustür aus? Sind die Rheintaler die Weinkultur; sind sie nicht eher ein Volk von Biertrinkern?

KW: Die Rheintaler schätzen den Wein sogar sehr. Die Weinkultur gehört seit Jahrhunderten zu dieser Region; daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Ob man Wein oder Bier trinkt, ist oft auch situations- und altersabhängig.

Eure Eltern gehen bald in Pension. Ist die Übernahme des Weinguts schon geregelt?

KW: Der Übernahmeprozess hat bereits begonnen, wird aber einige Zeit brauchen. Es gibt noch viele Details zu klären, aber wir sind auf Kurs.

Eure Eltern gehen bald in Pension. Ist die Übernahme des Weinguts schon geregelt?

KW: Der Übernahmeprozess hat bereits begonnen, wird aber einige Zeit brauchen. Es gibt noch viele Details zu klären, aber wir sind auf Kurs.

6tus

Das bekannte Unternehmen wurde 1860 gegründet und ist einer der wichtigsten Weinbau- und Kelterungsbetriebe des St. Galler Rheintals. Der Familienbetrieb schafft es in jeder Generation Tradition und Zeitgeist überzeugend in Einklang zu bringen. Davon zeugen die zahlreichen Auszeichnungen für die erfolgreichen Weinmacher aus Berneck. Das Weingut bewirtschaftet Rebberge in Berneck und im Appenzellerland. Dort wachsen 16 Traubensorten, aus denen 35 Weine produziert werden.

schmidwetli.ch

Kaspar Wetli