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Carlo Gassner und das Seehus Quinten

Geheimtipp: Einfach übernachten!

Die Wälder und Felswände, die sonst steil aus dem Walensee bis hoch hinauf in den Himmel ragen, verschwinden an diesem Morgen schon auf halbem Weg in den Wolken. Die markanten Zacken der Churfirsten bleiben verborgen im Nebelgrau. Kein Wanderwetter. Nach einigen schönen, warmen Tagen, die für viel Betrieb gesorgt haben im schweizweit beliebten Seedorf Quinten, können es Carlo Gassner und sein Team im Restaurant Seehus heute etwas ruhiger angehen. Da liegt auch ein kurzer Medientermin drin.

Der Start in den Tag

Treffpunkt ist der Hafen Unterterzen mit seinem rot-weissen Leuchtturm, der den feinen Sinn der „Oberländer“ für Humor erkennen lässt. Um halbacht steht die heutige Lieferung schon am Quai. Carlo legt mit dem Boot an und trägt die grünen Kisten voller Thurgauer Gemüse in den geräumigen Bug.

Das robuste, hochseetaugliche Aluminiumboot mit der geschlossenen Kabine hat Carlo in Holland bauen lassen. Der Rumpf ist unsinkbar und ermöglicht dank der hohen Bordwand und der geschlossenen Kabine eine sichere Überfahrt auch bei Wind und Wellen. Und die können auf dem Walensee ziemlich ungemütlich werden, vor allem bei Föhn. Selber hat Carlo noch nie eine gefährliche Situation erlebt. Es kommt allerdings immer wieder vor, dass er Leute aus Seenot retten muss, zum Beispiel Gummibötli oder Surfer.

Schiff-Lift und Lebensplanung

Mit dem 100-PS-Aussenborder dauert die Überfahrt nach Quinten etwa fünf Minuten. Das Seehus liegt direkt am Wasser und hat seinen eigenen Schiffssteg. Für die Anlieferung haben die Gassners eine raffinierte Lösung gefunden. Das Boot wird auf einer Art Bahre parkiert. Ein kräftiger Lasten-Lift hebt das drei Tonnen schwere Boot dann samt Kapitän und Ladung auf die Ebene des Kellereingangs.

Es bleibt dennoch viel Arbeit, bis alle Zutaten in der Küche landen. Dort riecht es am Morgen bereits nach einem feinen Fischfond. Der Arbeitstag im Seehus hat längst begonnen. Die Angestellten rüsten Gemüse, wischen den Boden und decken die Tische für den Mittag. Auch Carlos Mutter Käthy und sein Vater Thomas helfen weiterhin mit.

Sie übernahmen das Restaurant 1982 und machten daraus eine weitherum bekannte für gute Fischküche. Carlo kehrte heim und übernahm die Geschäftsleitung, obwohl er das als junger Kochlehrling nie im Sinn gehabt hatte. Damals zog es ihn in die Ferne. Er wollte die Welt sehen. Seine Überlegung war, dass er als gut ausgebildeter Koch überall Geld verdienen konnte. Nach seiner Ausbildung bei Hubertus Real in Vaduz und in renommierten Aroser Hotels, kam Carlo tatsächlich weit herum und kochte zum Beispiel in Neuseeland und Kanada.

Fisch und Wein

Zurück in der Schweiz gab es dann doch genügend gute Gründe, wieder in Quinten vor Anker zu gehen. Zum Beispiel das Thema Fischküche, denn Carlo ist selbst ein leidenschaftlicher Fischer und Fischfan oder aber Wein. Sein Vater hat ebenfalls mit grosser Leidenschaft einen weitherum bekannten Weinkeller aufgebaut, und zudem bauen am Walensee mehrere sehr talentierte Winzer exzellente Weine an.

Klischee, Klischee!

Bei einem feinen Kafi in der Gaststube wird Carlo persönlicher: „Was mich immer wieder erstaunt sind diese Klischees über den Walensee. Der tiefste See der Schweiz, ein Bergsee, zu kalt und zu gefährlich zum Schwimmen.

Ich frage mich, ob das irgendwo in einem alten Schulbuch steht. Dabei kann man ja leicht nachprüfen, dass nichts davon stimmt. Am tiefsten Punkt erreicht der Walensee knapp 150 Meter. Der Bodensee ist mehr als doppelt so tief. Das Wasser ist zwar oft klar und sauber wie in einem Bergsee, aber es wird meist schon im Juni über 20 Grad warm.

Der Walensee ist wunderschön zum Schwimmen! Ich kann schon verstehen, dass die Leute, die den See nur von der Autobahn oder aus dem Zug sehen, beeindruckt sind und diese steilen Ufer bedrohlich finden. Wenn sie Quinten zum ersten Mal besuchen, sind sie häufig überrascht, wie freundlich der See hier wirkt. Die malerischen Strände, die Weinberge, die alten Bäume am Wasser.“

Wann ist Quinten am schönsten?

Carlo Gassner lächelt und sagt: „Wenn ich ein Böser wäre, würde ich sagen: Sobald das letzte Kursschiff wegfährt.  An schönen Tagen ist hier viel los. Quinten ist ein beliebtes Tagesziel. Da geht schon etwas vom Charme und der speziellen Atmosphäre hier verloren. Aber Quinten kann ein sehr stiller und friedlicher Ort sein. Vor allem am frühen Morgen und am Abend oder bei Regenwetter. Persönlich finde ich den Herbst am schönsten. Dann sind die Farben so intensiv und kulinarisch können wir aus dem Vollen schöpfen.“

Geheimtipp: Einfach übernachten!

Wer den Zauber von Quinten für sich entdecken will, der sollte sich die Zeit nehmen und ein paar Tage an diesem aussergewöhnlichen Ort verbringen. Heute gibt es mehrere Übernachtungsmöglichkeiten. Die neuste ist das Bed & Breakfast Tremondi mit seinen stilvollen Boutique-Zimmern und der einladenden Terrasse im Hetrz des Dorfes. Geschichtsträchtig ist das Kubli-Haus etwas auf ausserhalb. Weiter gibt es Ferienwohnungen und Ferienhäuser. Sie alle sind zu finden auf quinten.ch

Nicht nur während der regio-wochen lohnt es sich im Seehus einen Tisch mit Seeblick zu reservieren und sich genussvoll vom Gespür der Gassners für feinen Fisch und guten Wein zu überzeugen.

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