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Was ist das Geheimnis der Käsefeste, Mirjam Birrer?

cheese-festival ist eine schweizweite Erfolgsgeschichte. Der Trägerverein mit Sitz in Sursee bringt seit zwanzig Jahren die Käseproduzenten vom Land mit Kunden in der Stadt zusammen. Seit einigen Jahren auch in der Ostschweiz. An den beliebten Käsefesten wird die regionale Schweizer Käsevielfalt gefeiert.

Käsefest

Mirjam Birrer, die Leiterin der Geschäftsstelle von cheese-festival, erzählte CULINARIUM-Reporterin Silja Lippuner am Käsefest in Rapperswil von der freundlichen Eroberung der Ostschweiz, über ihre eigene Liebe zum Käse und weshalb der Besuch vom Land in der Stadt so geschätzt wird.

Mirjam Birrer, wann wurde das erste Käsefest gefeiert?

Das war weit vor meiner Zeit, vor gut 19 Jahren. Die Schweizerische Käseunion gab es nicht mehr, die Milchlieferanten und Käseproduzenten waren auf sich alleine gestellt und offen für neue Partner. Zu diesem Zweck wurde der Trägerverein cheese-festival ins Leben gerufen. Die erste Zeit war er stark auf die Innerschweiz fokussiert. Heute sind wir schweizweit aktiv.

Welche Regionen wollen Sie nächstens erobern?

Ganz oben auf der Wunschliste stehen momentan die Ostschweiz und das Tessin. In diesen Regionen wollen wir unsere Präsenz verstärken. 2020 gibt es erstmals ein Käsefest in Frauenfeld. Gerade in der Ostschweiz spüren wir einen grossen Willen, die Milchproduzenten zu unterstützen.

Wie kann der Verein cheesefestival dabei helfen?

Wir sind eine Plattform für Absatz und Marketing. Wir bieten den Käserinnen und Käsern unser Knowhow und ein Netzwerk. Auf der anderen Seite bringen wir ein wertvolles Naturprodukt zu den Menschen, öffnen ein Schaufenster für seine immense Vielfalt. Hier, am Käsefest Rapperswil, finden Sie an den 35 Ständen bestimmt über 300 verschiedene Käsesorten.

Heute richten Sie Feste aus von Basel über Appenzell und Rapperswil bis Luzern. Wie stark unterscheiden sich die einzelnen Festivals?

Sehr! Wir achten auch ganz bewusst darauf, dass lokale Eigenheiten zum Zug kommen. Jedes Festival beinhaltet neben einer grossen Vielfalt von Schweizer Käse auch Unterhaltung. Etwa Musik. Da kommt die Regionalität natürlich stark zum Tragen. Aber auch in Details, zum Beispiel wie die Stände angeschrieben werden; ob mit dem Namen der Käserei oder des Käsers, wie das etwa in Appenzell der Brauch ist.

Wie schaffen Sie es, all diese regionalen Eigenheiten aufzugreifen?

Wir arbeiten jeweils mit regionalen Partnern zusammen. Sie kennen sich mit Region und Leuten wunderbar aus. Unsere Aufgabe ist es, eine Plattform anzubieten und zu koordinieren. Die konkreten Arbeiten vor Ort vergeben wir den Akteuren und Dienstleistern am Standort. So stärken wir auch die regionale Wirtschaft.

Wer trifft im Verein die strategischen Entscheidungen?

Unser Vorstand. Im cheese-festival- Vorstand sind alle Vereinsträger vertreten: Genossenschaften und Vereinigungen von Milchproduzenten und Milchverarbeiter. Aktuell sind das die Genossenschaft Ostschweizer Milchverarbeiter, die Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten, der Bernische Milchkäuferverband, die Dienststelle Landwirtschaft und Wald, die Schweizerische Vereinigung der AOP und IGP, der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband, die Zentralschweizer Käsermeister, Schweizer Alpkäse, Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost, die MIBA Genossenschaft, aaremilch, Heumilch, das Land- und Forstwirtschaftsdepartement Appenzell und die Thurgauer Milchproduzenten.

Welches ist Ihre persönliche Geschichte mit Käse? Sind Sie in einer Bauernfamilie aufgewachsen?

(Mirjam lacht). Das denken viele, aber ich bin wirklich kein Bauernmädel! Ich stamme aus einer Handwerkerfamilie, habe aber 14 Jahre lang in der Werbung gearbeitet. Ich besuchte den Alpsennenkurs und durfte auf einigen Alpen «mitkäsen», eine traumhaft schöne Erfahrung. Es wurde eine Leidenschaft daraus.

Was hat Sie so begeistert am Käsen?

Das Käsen ist ein dynamischer, sensibler Prozess. Alles hat einen Einfluss: das Gras, die Milch, die Stimmung der Sennerin, die Stimmung der Kuh, das Wetter. Ein guter Käse entsteht, wenn alles miteinander im Einklang ist. Eine faszinierende Erfahrung! Faszinierend ist auch der Austausch. Die «Käsigä» begegnen einander in der Regel mit viel Respekt. Da herrscht ein Miteinander – und das in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld. Das finde ich gar nicht selbstverständlich!

Sie sind seit einem Jahr Geschäftsleiterin des Vereins cheese-festival. Sie sind Ansprechpartnerin für Käserinnen und Käser aus der ganzen Schweiz.

Und ich geniesse diese Kontakte sehr. Die Welt des Käses ist eine authentische Welt, sie tut gut, sie erdet.

Sie bringen mit den Käsefesten ein Stück Land in die Stadt. Welche «Land-Geschichte» erzählt der Käse?

Die idyllischen Bilder von der Alp und den duftenden Kräutern bringen die Leute schon selber im Kopf mit. Wir bieten etwas ganz Handfestes an. Unser Käsefest schafft ein sinnliches Erlebnis. Man kann die unzähligen Käsesorten probieren, Spezialitäten entdecken, die Stimmung geniessen, mit Käserinnen und Käsern ins Gespräch kommen. Nicht zuletzt lernt man im Gespräch, beim Kuhmelken und Schaukäsen etwas über den Herstellungsprozess. Heute weiss ja längst nicht mehr jedes Kind, dass Käse aus Milch gemacht wird! Und auch wichtig: Wer ein Käsefest besucht hat, wird später vielleicht eher auch einmal in eine «Käsi» gehen, um dort bewusst Käse zu kaufen.

Die Veranstaltung heisst «Käsefest», nicht «Käsemarkt». Hier wird der Käse gefeiert!

Genau. Wir stellen ihn ins Scheinwerferlicht. Der Käse soll die Wertschätzung bekommen, die er verdient. Käse ist ein Produkt, in dem sehr viel Leidenschaft, Zeit und Handwerk steckt. Für einen guten Käse muss vieles harmonisch zusammenspielen.

Der englische Name des Vereins legt nahe, dass auch der Tourismus eine Rolle spielt. Ist das so?

In erster Linie schaffen wir eine Marktsituation und bringen Anbieter und Käufer zusammen. Wir wollen auf jeden Fall den Schweizer Käse über die Grenze hinaus bekannt machen. Interessant sind in dieser Hinsicht natürlich Städte in Grenzregionen wie Lugano, Basel, Frauenfeld. Doch diese Überlegungen stehen nicht im Vordergrund. cheese-festival heisst «nur» der Trägerverein, die Veranstaltungen nennen wir ganz bodenständig Käsefeste.

Und diese Feste fallen auf fruchtbaren Boden …

Ja! Holz anfassen.(lacht) Bislang haben wir an jedem Fest mindestens zwanzig Aussteller mit an Bord. Bei den Besucherzahlen sieht es mit durchschnittlich 10 000 Personen erfreulich aus.

Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Wir sind authentisch. Wir sind, wer wir sind, wir verkaufen nichts, was nicht ist. Damit treffen wir den Zeitgeist. Die Menschen sind auf der Suche nach ihren Wurzeln, nach Sinnhaftigkeit. Besonders die Jungen. 2019 sind mir an den Festen viel mehr jüngere Besucherinnen und Besucher aufgefallen. Leute im Alter zwischen 20 und 35 Jahren, die sich für «echte» Lebensmittel interessieren und für die Menschen, die sie herstellen. Nach etwas Bodenständigem.

Haben Sie einen Wunsch für die Zukunft?

Ich wünsche mir weiterhin so gute Beziehungen zu den Käsern und Käserinnen. Und, in Zukunft würden wir den Käse auch gern in der Westschweiz feiern. Wir haben noch viele, viele Ideen. (lacht) Da kommt noch einiges.

Mirjam Birrer, die Geschäftsführerin von cheese-festival, freut sich über den Erfolg ihres Konzepts in der Ostschweiz.

Mirjam Birrer