«Ich erzeuge ein Premium-Produkt»

Viehzucht und Kälbermast sind die Haupterwerbzweige des Betriebs von Wendelin Jud. Seit 21 Jahren bewirtschaftet er in Loch oberhalb von Necker (Gemeinde Oberhelfenschwil) einen eigenen Hof. Eine zusätzliche Einnahmequelle bilden 16 Mutterschweine und im Winter der Verkauf von Deck- und Kranzreisig und Christbäumen aus dem eigenen Wald.

 

Sanft sind die Hügel, die sich rund um den Jud’schen Bauernhof im Loch erstrecken. Saftiges Weideland, allerdings, da gegen Norden ausgerichtet, auch immer etwas feucht. Wendelin Jud hat hier oben bereits seine Kindheit verbracht. Zwar nicht im Haus, das er heute mit seiner Frau Brigitta und den vier Kindern bewohnt, sondern im hundert Meter entfernten alten Bauernhaus, in dem noch heute seine Mutter wohnt. Anfänglich bewirtschaftete Wendelin Jud 4,5 Hektaren, seit der Übernahme des elterlichen Betriebs im Jahr 1993, sind es 26 Hektaren. Die Wiesen liefern Futter für 23 Milchkühe, ein knappes Dutzend Rinder und durchschnittlich 40 Mastkälber.

 

Begeisterter Viehzüchter

Wendelin Jud liebt die Arbeit als Landwirt, die Arbeit auf dem Feld und im Wald und die Arbeit mit Tieren. Schon als Kind war für ihn klar, dass er diesen Beruf wählen würde. Dass er ihn am Ort seiner Kindheit ausüben konnte, war in Anbetracht von sieben Geschwistern (darunter vier Brüder) allerdings nicht selbstverständlich. Die Ausbildung zum Landwirt absolvierte Wendelin Jud an der landwirtschaftlichen Schule in Flawil. Die Jahre darauf half er im Sommer, wenn sein Vater mit dem Vieh auf der Alp war, auf dem elterlichen Hof mit. Im Winter war er für Swiss Genetics (damals noch KB-Station) in Bütschwil tätig. In dieser Zeit entwickelte sich bei ihm die Leidenschaft für die Viehzucht. Eine Leidenschaft, die ihn bis heute nicht losgelassen hat. In seinem Stall steht so manch hervorragende Milchkuh.

 

Wanderjahre auf ETH-Forschungsbetrieben

Es folgten weitere Lehr- und Wanderjahre. Sie führten ihn aufs Versuchsgut Chamau der ETH Zürich in Hünenberg und die Alp Weissenstein, einer ETH-Forschungsstation im oberen Albulatal. 1987 kehrte der inzwischen mit Brigitta Hubmann verheiratete Jungbauer wieder ins «Loch» zurück. Damals wurde ein kleiner Bauernbetrieb in unmittelbarer Nähe des Elternhauses versteigert und Wendelin und Brigitta Jud griffen ohne zu zögern zu. Die Jahre in der Ferne möchte der inzwischen 50-Jährige nicht missen. Vor allem die beiden Alpsommer auf «Weissenstein» bezeichnet er als äusserst lehrreich. «Ich war verantwortlich für 200 Tiere – Milchkühe, Mutterkühe, Jungvieh und Schafe. Und durch die Forschungstätigkeit der ETH lernte ich ganz nebenbei auch viel über alternative Nutzungsformen von Alpweiden sowie die physiologischen und ökologischen Auswirkungen der Alpung.» Hinzu kommt, dass er in dieser Zeit auch die Meisterprüfung absolvierte.

 

Aufzucht mit hochwertigem Futter

Wendelin Jud setzt auf seinem Betrieb auf Milchwirtschaft und Kälbermast. Was heisst, dass er die Milch auf dem eigenen Hof verwertet. 160’000 Liter Milch liefern die Kühe pro Jahr. 1000 Liter braucht es, bis ein Mastkalb das ideale Schlachtgewicht von rund 130 Kilogramm erreicht hat. Es sind also etwa 160 Jungtiere, die Jud jährlich an den Schlachthof der Migros nach St.Gallen-Winkeln liefert. Gemästet werden die Kälber aber nicht allein mit Milch und Milchpulverzusatz, sondern auch mit Heu und Stroh. Vor allem das Stroh sei ein entscheidender Faktor für eine gute Fleischqualität, betont Wendelin Jud. «Gutes Stroh muss es allerdings sein, da gehe ich keine Kompromisse ein.» Wichtig ist auch frische Luft. Mindestens dreimal pro Woche erhalten die Jungtiere Auslauf, die Kühe gar täglich. Die Kalbermast richtet der Oberhelfenschwiler IP-Bauer an den Richtlinien von Terra Suisse aus. So verlangt es die Migros, an die Jud seit drei Jahren sämtliche Mastkälber verkauft. Dieses Label ist ganz in seinem Sinne. «Ich erzeuge ein Premium-Produkt – und das soll auch entsprechend gekennzeichnet sein».

 

Zusammenarbeit mit CULINARIUM

Das in Winkeln geschlachtete und in der Micarna Bazenheid verarbeitete Fleisch kommt unter der Bezeichnung «Aus der Region. Für die Region.» der Migros Ostschweiz (AdR) in den Verkauf. Das Label steht nicht nur für Regionalität, sondern auch für Frische, Qualität und Transparenz in Herkunft und Produktion. Es sichert die Wertschöpfung in der Region – auch in Form von Arbeitsplätzen, sowohl in der Landwirtschaft als auch im verarbeitenden Gewerbe. Die AdR-Philosophie deckt sich perfekt mit jener des Trägervereins Culinarium; eine Zusammenarbeit zwischen Migros Ostschweiz und Culinarium drängte sich deshalb geradezu auf. Sämtliche unter dem AdR-Label verkaufte Produkte tragen auch die CULINARIUM-Krone. Die Zusammenarbeit gestaltet sich seit 2003 äussert erfolgreich. Es können deutlich mehr regionale Produkte vermarktet werden, Landwirtschaft und Verarbeiter profitieren gleichermassen und die Wertschöpfung bleibt in der Region. Die strengen Vorgaben werden regelmässig überprüft. Für das Programm «Aus der Region. Für die Region.» kontrolliert die akkreditierte Zertifizierungsstelle ProCert im Auftrag des Trägervereins Culinarium die Einhaltung der Richtlinien. Wendelin Jud ist ein Befürworter der regionalen Vermarktung. «Der Konsument weiss, was er bekommt und die Transportwege werden möglichst kurz gehalten.» Die Kälber bezieht er ausschliesslich aus dem Toggenburg oder Fürstenland von Bauern, die er seit Jahren kennt und denen er vertraut. Die ersten drei Wochen verbringen die Tiere in einer in der Remise eingerichteten Quarantäne-Station. Dort werden sie mindestens einmal medizinisch behandelt, wenn nötig unter Einbezug des Tierarztes. «Nur so habe ich Gewähr, dass sie keine Krankheiten in den Stall tragen», begründet Jud diese Massnahme.

 

Schweinezucht und Waldarbeit

Mehr als nur ein Nebenerwerb ist für Wendlin Jud die Aufzucht von Ferkeln. 16 Mutterschweine und ein Eber bringen ihm jährlich rund 350 Ferkel, die er nach zehn Wochen weiterverkauft. Im Winter ist er zudem oft in seinem Wald anzutreffen: Beim Holzen und Zuschneiden der Äste, die er in den Monaten November und Dezember als Deck- und Kranzreisig verkauft. Christbäume sind bei ihm ebenfalls erhältlich. Wendelin Jud nimmt auch öffentliche Verantwortung wahr. Bis Ende 2008 setzte er sich über 16 Jahre als Gemeinderat für das Wohl seiner Gemeinde ein. Seit damals ist er Präsident es St.Galler Kälbermästerverbandes und auch die Ämter als Präsident der Viehzuchtgenossenschaft Oberhelfenschwil und als IP-Kontrolleur werden ihn weiterhin fordern. Und dazwischen nimmt er sich immer wieder die Zeit für aktives Mitmachen im örtlichen Turnverein.