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«Ich habe tausend Ideen»

 

Rohners Hoflädeli in Krummensee bei Balgach ist ein innovativer Landwirtschaftsbetrieb wie aus dem Bilderbuch.

Carina und Heinz Rohner und ein Team von zehn Personen produzieren Gemüse und Milch, führen einen attraktiven Hofladen und haben mit der regionalen «Gmüasbox» einen Volltreffer gelandet.

Rohners Hoflädeli

Carina Rohner, herzlichen Glückwunsch zur CULINARIUM-Krone 2020. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Mir war es schon immer ein Anliegen, dass das Gemüse, das wir hier anbauen, auch in der Region verarbeitet und konsumiert wird. Dasselbe wünsche ich mir auch von Milch, Fleisch, Getreide, Beeren, Nüssen und den vielen anderen hochwertigen Produkten, die wir hier im Rheintal produzieren. Mir war immer klar, dass es sich lohnt, wenn wir regionale Betriebe gut zusammenarbeiten. Dass nun genau wir, die als Anbauer und Urproduzenten an erster Stelle der Konsumkette stehen, gewinnen konnten, freut mich, meinen Mann Heinz und das ganze Team extrem und bestärkt uns in unserer Philosophie.

Ihre Philosophie tönt sympathisch. Die geht ja manchmal sogar so weit, dass sie sich treuen Kunden so verpflichtet fühlen, dass sie für diese gewisse Gemüsesorten anbauen, die eigentlich kaum rentabel sind.
(lacht) Ja, tatsächlich bauen wir für einen guten Kunden aus Goodwill Erbsen und Bintje-Kartoffeln an, die wir sonst nicht im Sortiment haben. Wir können das, weil wir auf kleine Mengen spezialisiert sind. Unser Sortiment ist sehr breit gefächert, aber nicht tief. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.

Was heisst das konkret, wie viele Sorten bauen sie an?
Wir bauen auf 30 Hektaren Land mehr als 30 verschiedene Gemüsesorten an. Wir bieten also eine grosse Auswahl, können dafür nicht in Riesenmengen liefern. Unseren Kunden, zu denen Restaurants, Heime, Grossküchen wie auch Privatpersonen gehören, passt das perfekt. Sie schätzen die Vielfalt und die Abwechslung. Und für unseren Hofladen ist dieses Konzept natürlich auch interessant.

Dieses spiegelt sich auch in Ihrer «Gmüasbox», die Sie seit etwa zwei Jahren anbieten. Kundinnen und Kunden bekommen im Abo regelmässig eine bunt gemischte, saisonal abgestimmte «Gmüasbox» nach Hause geliefert.
Das Angebot war von Beginn weg ein Renner. Unsere «Gmüasbox» haben wir an der Rhema (Rheintalmesse) in Altstätten von zwei Jahren lanciert. Wir waren völlig überrascht, wie gross das Interesse von Anfang an war.

Überrascht oder überrumpelt?
(lacht) Beides. Wir konnten gleich mit rund 40 Boxen starten und stiessen bei der Auslieferung schnell an unsere Grenzen. Zum Glück hat uns bereits an der Rhema die Post Altstätten Unterstützung angeboten, falls wir logistische Probleme bekommen sollten. Jetzt haben wir eine Zusammenarbeit, die super funktioniert.

Und wie viele Abonnenten?

Aktuell sind es über 300.

Die «Gmüasbox» und Ihr schöner Hofladen zeigen es: Sie sind flexibel, experimentierfreudig und innovativ. Wo lassen Sie sich inspirieren, wie entstehen Ihre Ideen?
Oh, an Ideen hat es mir noch nie gefehlt. Ich habe Tausende davon. (lacht). Aber Ideen sind das eine, die Umsetzung das andere. Oft braucht es Ausdauer, Geduld und Nerven, bis etwas gut funktioniert. Das haben wir bei der «Gmüasbox» erlebt. Die 300 Abos müssen genau geführt und abgerechnet werden. Das ist aufwendig. Deshalb muss man bei der coolsten Idee immer auch an die administrativen Aufgaben denken, die nach der Lancierung eines neuen Angebotes auf einen zukommen.

Sie und Ihr Mann Heinz führen Rohners Hoflädeli in dritter Generation. Insgesamt zehn Personen bewirtschaften die Felder und den Stall mit rund 30 Kühen und zehn Kälbchen. Eine Riesenarbeit, denn es muss ja rund um die Uhr jemand im Betrieb sein.
Ja, wir sind sehr beschäftigt. Aber die Schwiegereltern helfen tatkräftig mit und das ganze Team ist eine gut eingespielte Truppe. So schaffen wir das.

Liegen da auch mal Ferien drin?
Einmal im Jahr eine Woche im Winter. Die geniessen wir dann in vollen Zügen und fahren in die Alpen.

Sie haben drei kleine Kinder, der jüngste Spross ist noch kein halbes Jahr alt. Wie schafft frau das?
Ich bin selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen und bin diese Art zu leben gewöhnt. Da läuft einfach alles mit und man funktioniert möglichst unkompliziert. Es macht mir grosse Freude, eine sinnvolle Arbeit zu verrichten, bei der man am Abend sieht und spürt, was man getan hat.

Dann war für Sie immer schon klar, dass Sie selbst auch mal Bäuerin, werden?
Nein, im Gegenteil! Auf keinen Fall wollte ich Bäuerin werden, und darum lernte ich Floristin. Aber bekanntlich kommt es im Leben manchmal ganz anders, als man denkt. Deshalb absolvierte ich dann nachträglich doch noch die Bäuerinnenschule. Das war eine gute Idee, ich habe sehr viel gelernt. Und als ich dann meinen Mann kennenlernte, war für mich klar, dass ich mit ihm den Hof seiner Eltern weiterführen werde. Das war grad nochmal eine richtig gute Idee.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft. Haben Sie berufliche Pläne oder vielleicht sogar Träume?
Beides. Unser Plan ist, dass wir die «Gmüasbox» bald auch ins Fürstentum Liechtenstein liefern. Und mein persönlicher Traum wäre ein Blumenpflückgarten mit Floristenecke. So könnte ich meine beiden Berufe quasi verbinden und mich zwischendurch auch kreativ ausleben. Blumen sind so etwas Schönes, und wenn sie im eigenen Garten wachsen, etwas Besonderes. Ich werde also dranbleiben an dieser Idee …

Carina (32) und Heinz Rohner (35) führen Rohners Hoflädeli im Weiler Krummensee bei Balgach in dritter Generation. Der Betrieb ist auf Milchwirtschaft und Gemüsebau spezialisiert. Bekannt ist der gut sortierte Hofladen auch für die «Gmüasbox», die im Abo bestellt werden kann. www.rohners-hoflaedeli.ch

Gemüse Rohners Hoflädeli