Mit Obstsaft aus «Mostindien» zum Erfolg

Seit über hundert Jahren steht der Name Möhl für die Herstellung von Obstsaft, Most und Apfelwein. Pro Jahr werden in der Mosterei im thurgauischen Arbon – je nach Grösse der Ernte – zwischen 9000 und 13’000 Tonnen Mostobst gepresst. Mit dem Shorley wurde vor zehn Jahren ein Produkt mit nationaler Ausstrahlung lanciert.

 

Obst ist reich an Vitaminen, kalorienarm, sehr gesund und deshalb fester Bestandteil des Menüplans. So auch bei Ernst und Markus Möhl. Für das Bruderpaar ist Obst, insbesondere der Apfel, allerdings mehr als nur wertvolles Lebensmittel. Über den Apfel, oder vielmehr den daraus gewonnenen süssen und sauren Most, sichern sie sich wie schon ihr Vater, Grossvater und Urgrossvater «das täglich Brot». Ernst und Markus Möhl sind Obstverarbeiter, führen die Mosterei Möhl AG in Schachen bei Arbon in vierter Generation und haben dem Unternehmen zu jenem Gesicht verholfen, das inzwischen weit über die Region hinaus bekannt ist. Was im Jahr 1895 mit der Eröffnung eines Gasthauses samt integriertem Saftkeller mit Holzfässern begann, steht heute als moderne Mosterei da. Pro Jahr werden bis zu 13’000 Tonnen Obst – vorwiegend Äpfel – zu Saft veredelt, zu alkoholfreien Säften ebenso wie zu Most und Apfelschaumwein. Die Produktepalette ist gross und bietet für jeden Geschmack etwas.

 

Vorbestimmter Weg

Dass die heutigen Inhaber des Familienunternehmens einmal in die Fussstapfen ihrer Vorfahren treten würden, lag auf der Hand. Ihr Ausbildungsweg deutete schon früh in dieser Richtung: Ernst Möhl (Jahrgang 1952) studierte Agronomie und Lebensmitteltechnologie, sein zwei Jahre jüngerer Bruder Markus entschied sich für eine Ausbildung zum Polymechaniker und bildete sich später zum Getränketechnologen weiter. Entsprechend der beruflichen Ausrichtung wurden die Rollen innerhalb der Geschäftsleitung verteilt. Ernst Möhl ist für den Bereich Marketing und Verkauf zuständig und Markus Möhl für sämtliche technischen Belange. Diese brüderliche Zusammenarbeit funktioniert seit über 30 Jahren.

1975, nach dem überraschenden Tod seines Vaters Ernst Möhl-Forster, übernahm der noch im Studium stehende Ernst jun. die operative Leitung der Mosterei Möhl und zwei Jahre später trat auch sein Bruder Markus ins Unternehmen ein. Gemeinsam schrieb das Brüderpaar weiter an der Möhl-Erfolgsgeschichte und baute den Betrieb mit sicherem Instinkt und Geschick stetig aus. Waren es damals noch gut 20 Mitarbeitende, so sind inzwischen 60 Personen für das Familienunternehmen tätig. In regelmässigen Abständen wurde in die Infrastruktur investiert, letztmals 2008, als ein Neubau für eine zweite Abfüllanlage errichtet wurde.

Die Bedeutung des Marketings

Moderne Infrastruktur ist das Eine, ebenso wichtig für den Erfolg ist eine gute Marketingstrategie. «Was nützt es, wenn wir über hervorragende Produkte verfügen, diese in der Bevölkerung aber nicht bekannt sind» betont Ernst Möhl. In den letzten Jahrzehnten hat die Mosterei Möhl ihre Produkte deshalb verstärkt beworben, anfänglich den «Saft vom Fass» mit dem traditionellen Bügelverschluss, später den schweizerischen Apfelwein «Swizly» und die Schorle namens «Shorley». Vor allem mit letzterem, einer Mischung aus Apfelsaft und heimischem Mineralwasser, konnte Möhl eine Marke setzen, die inzwischen – zehn Jahre nach deren Lancierung – schweizweit bekannt ist. Allein der Name, der am deutschen Apfelschorle anlehnt, spricht für sich und schafft einen eindeutigen Bezug zum Rohstoff. Für Ernst Möhl bedeutet dies aber auch eine Gratwanderung: «Wir waren uns bei der Festlegung des Namens der Gefahr von Trittbrettfahrern sehr wohl bewusst.» Und er sollte Recht bekommen; inzwischen haben Mitbewerber vergleichbare Produkte mit ähnlichen Namen auf den Markt gebracht.

Was macht denn das Shorley so einzigartig? «Wir waren die ersten, die Apfelsaft mit Mineralwasser gemischt in Flaschen gefüllt haben. Diese Mischung wirkt als idealer Durstlöscher und mundet erst noch hervorragend», sagt Ernst Möhl. Da wäre aber auch die herausragende Qualität. «Frisch geerntete, reife und saubere Früchte von guten Apfelsorten bilden den Rohstoff für all unsere Säfte.» Die Mosterei Möhl AG sieht sich denn auch nicht lediglich als Obstverwerter. «Wir produzieren hochwertige Obstsäfte».

Obstproduzenten als Visitenkarte

Hinter der Qualität dieser Obstsäfte stehen 150 Bauern aus der näheren Umgebung, die ihr Obst im Herbst direkt an die Mosterei Möhl nach Stachen liefern. Über Obsthändler und Genossenschaften kommen weitere 100 Produzenten dazu. Den grössten Teil der Bauern kennen die Gebrüder Möhl persönlich, sie wissen also um die landwirtschaftlichen Betriebe, die sich hinter dem Rohstoff verbergen. Ernst Möhl bezeichnet die Obstbauern als Visitenkarte seiner Produkte. Entsprechend fordert er von ihnen einen gut geführten Landwirtschaftsbetrieb mit einem Stall, der den Tieren den nötigen Freilauf lässt.

Die Zusammenarbeit der Obstproduzenten mit der Arboner Mosterei ist mit den Jahren gewachsen und beruht auf gegenseitigem Vertrauen. «Wir setzen beim Obst eine hohe Qualität voraus und zahlen dem Produzenten dafür einen fairen Preis», bringt es Ernst Möhl auf den Punkt.

 

Regionalmarke schafft Vertrauen

Mit der gelben Krone, dem Gütesiegel von «Culinarium», macht die Mosterei Möhl ihr Engagement für Qualität und Regionalität auch nach Aussen sichtbar. «Solche Auszeichnungen sind mit der Ausbreitung der Globalisierung im Allgemeinen und der Öffnung des Agrarmarktes im Speziellen überlebenswichtig» ist Ernst Möhl überzeugt. Sie schaffen Transparenz und geben den Konsumenten die Sicherheit, dass sie ein hochwertiges landwirtschaftliches Erzeugnis aus der Region in den Händen halten; ein Erzeugnis, das für kurze Transportwege ebenso wie für Wertschöpfung in der Region steht. Aus Erfahrung weiss er, dass diese Werte immer mehr geschätzt werden.

 

Beitrag an die Forschung

Dass ihnen der Apfel am Herzen liegt, beweisen Ernst und Markus Möhl mit ihrem Beitrag in die Forschung. Wie andere Inhaber von Obstverarbeitungsbetrieben auch, beteiligen sie sich an einem Projekt der Forschungsanstalt Wädenswil, das die Züchtung von feuerbrandtoleranten Obstsorten zum Ziel hat. «Wir sind schon von Berufes wegen daran interessiert, dass wir langfristig über qualitativ gute Obstsorten verfügen. Sie bilden die Grundlage unseres Betriebs und sichern unserer Familie und unseren Mitarbeitenden das Einkommen», sagt Ernst Möhl. Das soll auch in Zukunft so bleiben – dann wenn mit den Söhnen der aktuellen Inhaber die fünfte Generation die Verantwortung der Mosterei Möhl AG übernehmen wird. Die Weichen dafür sind bereits gestellt.

 

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