Rüebli täglich frisch vom Feld

Ein beachtlicher Teil der Schweizer Ernte an Rüebli kommt aus dem Rheintal, allein 15 Prozent von der Gemüseanbauorganisation Müller Azmoos AG. Der Anbau erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Bauern der Region.

 

40 Jahre ist es her, seit Andreas Müller mit der Gründung der Müller Azmoos AG den Grundstein für ein Unternehmen legte, das sich in der Folge zu einer schweizweit führenden Gemüseanbauorganisation entwickeln sollte. Allein gegen 10’000 Tonnen Rüebli kommen jährlich aus den Verarbeitungs- und Lagerhallen in Weite, Gemeinde Wartau. «Während der Erntezeit von Juni bis November täglich frisch, am Vortag geerntet», wie Alexander Zogg betont, er ist Mitglied der Geschäftsleitung und zuständig für die Produktion. Beachtlich ist auch die Menge an Kartoffeln, die über die Müller Azmoos AG in den Grosshandel kommt, auch wenn sich dieser Anteil am gesamten Schweizer Anbau lediglich bei knapp zwei Prozent bewegt. Beim Spinat für die Tiefkühlindustrie hingegen kommt man um den Rheintaler Betrieb kaum herum: Der Marktanteil beträgt rund 30 Prozent, was einer jährlichen Produktionsmenge von zwischen 4000 und 5000 Tonnen entspricht.

 

In der Dunkelheit herangereift

Mit der Chicoreewurzel hat sich das Unternehmen auf den Anbau einer Pflanze spezialisiert, die erst im zweiten Jahr, aber dafür während der kalten Jahreszeit, ein essbares Gemüse hervorbringt. Die im ersten Jahr gewachsenen Wurzeln werden geerntet und bei minus ein Grad Celsius gelagert. Für die Produktion des zarten Chicoreesalats werden die Wurzeln in 20 Grad warmes Wasser gestellt. Während des Wachstums verträgt die Pflanze kein Tageslicht, die Treibzellen sind deshalb vollständig abgedunkelt.

 

Detailhandel, Industrie, Viehfutter

Zurück zu den Rüebli, um die sich derzeit in den Verarbeitungshallen der Müller Azmoos AG fast alles dreht. Die Ernte läuft auf Hochtouren; die Rüebli werden vom Feld angeliefert und kommen zur ersten Waschung ins Wasserbad. Von dort gelangen sie für eine weitere Reinigung zum Polieren, bevor sie über ein Rillenband nach Grösse sortiert werden – selbstverständlich alles vollautomatisch. Die letzte Qualitätskontrolle liegt dann jedoch beim Mensch, was heisst, dass auf jedes Rüebli nochmals ein kritischer Blick geworfen wird. «Diese Kontrolle geschieht in Windeseile und fordert von den Frauen am Band ein geübtes Auge», sagt Alexander Zogg.

So sortiert kommen die Rüebli über ein Förderband zum Verpacken. 70 Prozent gelangen in den Detailhandel und 30 Prozent (jene, die in der Grösse aus der Norm fallen) zur Weiterverarbeitung in die Industrie. Dort werden sie in Stängeli oder Scheiben geschnitten oder zu Salat geraffelt. Von der gesamten Ernte bleibt etwa ein Drittel zurück, das weder den Anforderungen des Handels noch jenen der Industrie genügt. «Dieser Teil geht zurück an den Bauern, der diese Rüebli als Viehfutter nutzen kann», erklärt Alexander Zogg.

 

Beratung und Kontrolle für gute Qualität

Die enge Zusammenarbeit zwischen der Müller Azmoos AG als Gemüsehändlerin und den Landwirten ist ein wichtiger Teil des Firmenkonzepts. «Wir bauen das Gemüse gemeinsam an und sorgen auch gemeinsam dafür, dass ein gutes Produkt heranwächst,» erklärt Alexander Zogg. Liefert der Bauer qualitativ gute Ware ab, so wirkt sich das positiv auf den Verdienst aus. Die Qualität überlassen die Gemüseanbauexperten der Müller Azmoos AG aber nicht dem Zufall. «Wir kontrollieren die Felder laufend und stehen den Bauern beratend zur Seite. Schliesslich liegt auch uns ein möglichst gutes Produkt am Herzen, wir tragen ja auch die Verantwortung gegenüber unseren Kunden», betont der Produktionsleiter.

Zwischen Cazis und Berneck bauen rund 100 Landwirte auf einer Gesamtfläche von gegen 1000 Hektaren für die Müller Azmoos AG Gemüse an. Die klimatischen Bedingungen des Rheintals sprechen für den Gemüseanbau. «Entsprechend stehen wir in einem Spannungsfeld zu den Bauern und Mitbewerbern. Ein gutes Einvernehmen mit unseren Produzenten ist uns deshalb wichtig, es schafft Konstanz und Vertrauen.» Alexander Zogg erwähnt in diesem Zusammenhang die Beratung, die sich nicht nur auf die Zeit des Anbaus beschränkt. «Mit den vier Vertragskulturen Rüebli, Spinat, Chicoreewurzeln und Kartoffeln, sowie den futterbaulichen Ackerkulturen der Landwirte, bieten wir den Bauern eine ideale Fruchtfolge – und damit Abnahmesicherheit.» Der Anbau wird von der Müller Azmoos AG akribisch genau erfasst und festgehalten. «Dadurch erhalten wir Aufschluss, welches Land und welche Bodenbeschaffenheit zu welcher Gemüsesorte passen.»

 

Rüebli rund ums Jahr

Die ersten Rüebli werden bereits im Januar ausgesät. Diese Arbeit wird von Mitarbeitern der Müller Azmoos AG vorgenommen. Die Aussaat erfolgt vollautomatisch über eine äussert komplexe Maschine. Und hier liegt laut Alexander Zogg auch der Grund, weshalb die Aussaat nicht von den Bauern selber erledigt wird: «Die Anschaffung der Maschine wäre für den Landwirt schlicht zu teuer.» Dasselbe gilt auch für die Erntemaschine; auch für diese Arbeit stellt die Müller Azmoos AG Personal und Maschine zur Verfügung. Dass nahezu rund ums Jahr frische Rüebli erhältlich sind, hat mit der guten Lagerfähigkeit zu tun. «Sie halten allerdings nur dann, wenn sie ungewaschen gelagert werden», sagt Alexander Zogg. Im Kühlraum der Müller Azmoos AG stehen während der Wintermonate bis zu 8000 Tonnen Rüebli, die bei Bedarf über die Wasch- und Polieranlage aufbereitet und an die Detailhändler geliefert werden. So dreht sich auch im Winter bei den 25 Mitarbeitenden der Müller Azmoos AG fast alles um das Rüebli.

 

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