Sein Mut zu «Gäässebölleli» wird belohnt!

Mathias Koch (43) ist verheiratet mit Maria Koch-Dobler und hat drei Buben. 1997 schloss er seine Ausbildung als Schreiner ab, 2000 übernahm er den elterlichen Betrieb in Gonten. 2009 gründete er die Appenzeller Ziegenprodukte AG und 2011 realisierte er den Neubau, der Grundlage war für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens.
2014 schloss er die Ausbildung zum Milchtechnologen ab. 2018 durfte er den Erweiterungsbau samt Photovoltaikanlage in Betrieb nehmen. 2019 unterstützt ihn der CULINARIUM-Königstitel hoffentlich bei seinen Vorhaben. ziegenprodukte.ch

Mathias Koch ist ein Glücksfall für CULINARIUM. Er setzt konsequent auf regionale Wertschöpfung, hilft mit, eine wertvolle Appenzeller Tradition zu erhalten, macht die kulinarische Landschaft der Ostschweiz vielfältiger und ist erst noch kommerziell erfolgreich. Für diese beeindruckende Leistung wurde er zum CULINARIUM-König 2019 der Produzenten gekrönt.

1974 stellte Albert Koch seinen Betrieb in Gonten (AI) auf die Verarbeitung von Ziegenmilch um. Das war zu jener Zeit ein mutiger und wegweisender Schritt. Seit 2000 führt sein Sohn Mathias dieses Erbe weiter. Die Appenzeller Ziegenprodukte AG ist unter seiner Führung ein erfolgreiches und weiterhin wachsendes Unternehmen.

Appenzeller Ziegen
Im Appenzellerland geniessen sie besonderen Respekt. Die «Gäässe» sind aus der land- und alpwirtschaftlichen Tradition beider Appenzell nicht wegzudenken. Sie prägen das Bild der Region, besonders beim «Öberefahre», wie die Alpfahrten hier heissen. Die weisse Appenzellerziege wird in den Kantonen Appenzell Inner- und Ausserrhoden sowie im Toggenburg gehalten. Mit nur rund 1300 Tieren zählt sie zu den gefährdeten Rassen. Zum Vergleich: In der Schweiz leben rund 80 000 Ziegen. Der erfolgreiche Absatz von Spezialitäten aus Ziegenmilch über die beiden grossen Detailhändler eröffnet den Haltern wichtige Perspektiven. Dieses Projekt funktioniert auch dank der Unterstützung von Pro Specie Rara. Ziegenmilchprodukte werden vor allem in Form von Käse gekauft. Das stark gewachsene Interesse für regionale Kulinarik hat neue Produkte möglich gemacht, wie Ziegenfrischkäse oder Ziegenbergkäse halbhart.

Mathias Koch CULINARIUM König

Wenn du zurückschaust zu deinen Anfängen im Betrieb, hättest du dir damals schon vorstellen können, dass er so stark wachsen wird?
Nein, das konnte ich mir nicht vorstellen. Bis ins Jahr 2011 produzierten wir im Keller im Familienhaus. Als ich erkannte, dass wir uns nicht weiterentwickeln können, nahm ich den Neubau in Angriff. Durch die Gründung einer Ziegenmilchgenossenschaft der Lieferanten war es mir möglich den Neubau in Gonten zu realisieren. Da wir ein landwirtschaftsnahes Gewerbe betreiben, wurde dies bewilligt. Mit dem Neubau sind Motivation und Selbstvertrauen gewachsen. Wir haben uns an neue Projekte gewagt und neue Produkte entwickelt.

 

Wie siehst du eure Perspektiven?
Dank der Weitsicht meiner Eltern haben wir auf dem Markt bereits über vierzig Jahre Erfahrung und konnten Fuss fassen. Mittlerweile ist auch dieser Markt umkämpft. Immer mehr Landwirte setzen auf Ziegen als Alternative zur schlecht bezahlten Kuhmilch. Ich hoffe sehr, dass in unserem Markt das Angebot nicht grösser wird als die Nachfrage. Das ist nie eine gute Entwicklung. Wir starten zuversichtlich ins neue Jahr. Bis Mitte 2019 werden wir einige Neuheiten vorstellen.

 

Wie viele Lieferanten hast du, und wo sind die zu Hause?
Zur Zeit beliefern uns 23 Bauernfamilien mit Ziegenmilch. Sie kommen aus Innerrhoden, Ausserrhoden und aus dem Toggenburg.

 

Wie kommt die Milch nach Gonten?
Die Milchanlieferung findet jeweils zwischen fünf und acht Uhr statt. Jeder Lieferant bringt die Milch täglich oder dreimal die Woche zu uns.

Du konntest die verarbeitete Milchmenge seit 2011 mehr als verdoppeln auf mittlerweile rund 380 000 Kilogramm im Jahr. Wie hast du es geschafft, dass du so viel mehr Ziegenmilchprodukte absetzen kannst?
Im Appenzellerland wird Tradition und Brauchtum im Alltag gelebt. Der Konsument schätzt das und kann sich mit dem Produkt identifizieren, was sich positiv auf den Absatz auswirkt. Natürlich muss die Qualität immer auf hohem Standard sein. Wenn man das im Griff hat, sind die Partner auch gerne bereit, ein neues Produkt zu unterstützen und etwas zu probieren. Dank unseres Erfolgs konnten wir auch neue Lieferanten dazu gewinnen, die jetzt mit dem nötigen Vertrauen auf Ziegenhaltung setzen.

 

Die Appenzeller Ziegenprodukte AG ist die erste Ziegen-Schaukäserei der Schweiz. Wie ist die Idee dafür entstanden?
Während des Neubaus tauchte die Idee auf und wir beschlossen, dass wir dafür eine Aussparung in der Decke vorsehen. Als der Erweiterungsbau dann fertig war, hab ich mir gesagt, warum warten, machen!

 

Kannst du einem Auswärtigen erklären, welche Bedeutung die Geissen in der Appenzeller Kultur haben?
Schon vor Jahrhunderten hielten sich die Appenzeller Bauern einige Ziegen, deren gesunde Milch in den Familien sehr geschätzt wurde. Man machte daraus auch Butter und Käse, die ein wertvoller Beitrag zur Grundnahrung waren. Wenn die Sennen im Frühling auf die Alp fahren und im Herbst wieder zurück ins Tal, so geht dem Alpaufzug traditionellerweise auch heute noch eine Schar weisser Ziegen voraus.

Besitzt du selber auch Geissen?
Bis im Jahr 2000 hatten wir etwa 50 Ziegen. Wir haben damit aufgehört, da ich mich bei der Übernahme des elterlichen Betriebes auf die Verarbeitung und Vermarktung konzentrieren wollte. Ich bin mit Ziegen aufgewachsen, und ich habe viele schöne Erinnerungen daran.

 

Der Geschmack von Ziegenmilch kann erstaunlich unterschiedlich sein. Ist der Eindruck richtig, dass die Milch und die Produkte daraus heute weniger «geissböckeln» als früher?
Aus schlechter Milch können keine guten Produkte entstehen. Da spielt der Lieferant eine wichtige Rolle. Die In-frastruktur zur Gewinnung der Ziegenmilch hat sich stark verbessert. Geschmackliche Unterschiede gibt es auch heute noch. Das hängt eben auch von der Jahreszeit, vom Futter und den Launen der Tiere ab.

 

Wie hast du Geissenmilch am liebsten?
Am liebsten frisch pasteurisiert und kalt.

 

Welche Ideen hat der Unternehmer Mathias Koch noch im Köcher?
Da habe ich einige schöne Produkte im Kopf und auch für unser Unternehmen gibt es interessante Ideen, die aber noch reifen dürfen.

Ziegenprodukte Team

Das Team der Appenzeller Ziegenprodukte AG, nahm gemeinsam an der Genussakademie 2019 den Titel von Chef Mathias entgegen.