Spaziergang im Rebberg und Sortengarten

Am 17. Oktober trafen sich trotz geradezu winterlich kühler Prognose 14 wetterfeste und vor allem kulinarisch interessierte Clubmitglieder für die Besichtigung des Weingutes Stegeler AG im idyllisch gelegenen Winzerdorf Berneck. Der Spaziergang durch die malerischen Rebterrassen hoch über dem Rheintal liess nicht nur die Blicke, sondern auch die Gedanken in die Ferne schweifen. Winzerin Elisabeth Federer eröffnete die Tour mit ein paar Gedanken zur Geschichte des Weins.

Winzerdorf Berneck

Der Weinbau hat in Berneck eine sehr lange Tradition. Elisabeth Federer sparte bei ihrer Führung nicht mit eindrücklichen Zahlen und spannenden Anekdoten.

So wurde Berneck  bereits  im Jahr 892 erstmals urkundlich als Farniwang erwähnt – schon damals ging es auch um Wein. Im Jahr 900 wurde an diesem Ort (wars der Wein?) die erste Pfarrei im Rheintal gegründet und seit da pflegte Berneck immer einen engen Kontakt mit dem Kloster St. Gallen. Im Jahr 1210 wurde das Schloss Rosenberg gebaut,  von dem heute nur noch ein kleiner Teil, das Türmli, steht. Im Jahr 1848 zerstörte ein verheerender Brand  zwei Drittel von Berneck, doch es wurde von seinen stolzen Bewohnern rasch wieder aufgebaut.  Heute zählt Berneck knapp 4‘000 Einwohner und ist die grösste Rebbaugemeinde im Kanton St. Gallen.

7 Sorten, 7000 Rebstöcke
Perfektes Beispiel: Das innovative Weingut Stegeler AG baut auf seinen 1,5 Hektar sieben verschiedene Traubensorten an und keltert daraus hervorragende Weine, die regelmässig Preise gewinnen.  Neben den bekannten Sorten  Blauburgunder, Merlot und Rheinriesling gedeihen auf den sonnigen Terrassen auch moderne Kreuzungen wie Cabernet Corti, Cabernet Jura, Diolinoir  und Johanniter. Sie sind im Vergleich mit klassischen Sorten resistenter gegen Pilzbefall wie beispielsweise Mehltau und verringern dadurch den Bedarf an Spritzmitteln bei vergleichbarem Ernteertrag und Geschmack.

Beim Gang durch die Rebterrassen gab es für die Teilnehmer auch viel über das Winzerhandwerk zu erfahren – nicht zuletzt die Einsicht, dass es im Rebberg immer etwas zu tun gibt, und dass diese uralte Kulturtechnik viel Wissen, aber auch Herzblut erfordert.

Im gutseigenen Sortengarten wachsen weitere 38 Traubenvarietäten aus der ganzen Welt. Dort staunten die Clubmitglieder über exotische Trauben wie die japanische Kio, die schöne Solaris, die uralte Scheurebe und eine überraschende Vielfalt von Blattformen und Gerüchen. Die Degustation all dieser unterschiedlichen Aromen und Düfte aus dem Sortengarten war für die meisten eine spannende Erweiterung ihres kulinarischen Horizonts.

Weinbau – eine uralte Kunst

Die ersten Hinweise auf die Kelterung von Trauben zur Herstellung von Wein sind über 7000 Jahre alt. Man fand die Ruinen einer solchen Anlage im Iran in der Nähe der Stadt Shiraz. Bereits vor fast 4000 Jahren gab es auf der Insel Kreta einen hoch entwickelten Weinbau. Von Griechenland aus verbreitete sich diese Kulturtechnik entlang den Küsten des Mittelmeers und eroberte schliesslich  den gesamten europäischen Kontinent bis zu den klimatischen Grenzen, wo die Rebe nicht mehr gedeiht.

Die Griechen waren so begeistert vom Wein, dass sie ihm eine Gottheit widmeten: Dionysos. Neben dem Weinbau war er sinnigerweise auch für Fruchtbarkeit und Ekstase zuständig. Die Römer übernahmen diesen schillernden Gott wie viele andere von den Griechen und nannten ihn Bacchus. Wein war in beiden Kulturen ein wichtiger Bestandteil religiöser Feste und galt im Alltag als Heilmittel.

Der berühmte  griechische Arzt Hippokrates – notabene der Schöpfer des ärztlichen Eids –  verschrieb Wein im 2. Jahrhundert vor Christus als Stärkungs- und Schlafmittel. Der griechische Philosoph Plato schrieb: „Der Wein ist ein Geschenk der Götter, sie haben dem Menschen den Wein aus Erbarmen gegeben.“

Auch in der Bibel spielt Wein eine wichtige Rolle. Schon im alten Testament steht,  der Wein lasse den Menschen die Herrlichkeit der Schöpfung spüren. Bis heute hat wohl niemand ein überzeugenderes Werbeargument für den Genuss von Wein gefunden! Im neuen Testament bekommt Wein eine regelrechte Hauptrolle,  man denke an das Gleichnis von Jesus, der Wasser in Wein verwandelt. Schliesslich wurde der Wein sogar zum Blut Christi verklärt und damit ein heiliges Sakrament.

Die Bedeutung dieses ganz speziellen Getränks beschäftigt die Menschen offensichtlich seit sie ihn trinken. Noch ein paar Kostproben?

In China weiss man schon seit Jahrtausenden: „Wein entdeckt die Geheimnisse des Herzens“. Der deutsche Dichter Goethe wird zitiert mit: „Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken“ und Schriftsteller Robert L. Stevenson (Die Schatzinsel) schrieb: „Wein ist Poesie in Flaschen“.