Voller Einsatz für die Engadiner Bergbauern

Beat Klöti (47), Geschäftsführer der Lataria Engiadinaisa (LESA), schaffte es mit seinem Unternehmen in den Final um die CULINARIUM-Krone 2019 der Produzenten. Am Herzen liegen ihm die Wertschöpfung in den Tälern und der vernünftige Umgang mit den natürlichen Ressourcen.

Beat ist diplomierter Milchtechnologe, verheiratet und Vater von zwei Kindern.
Er führte eine eigene Molkerei, arbeitete später bei der Natürli Zürioberland AG und wurde vor einem Jahr Geschäftsleiter der LESA. Sie gehört zu 80 Prozent Emmi und zu 20 Prozent den
Engadiner Bauern.

lesa.ch

Beat Klöti, Sie waren Finalist für die CULINARIUM-Krone 2019. Was bedeutet Ihnen diese Anerkennung?
Viel! Es ist eine Supermotivation für mich und das ganze Team und eine wohltuende Wertschätzung für unser tägliches Engagement. Ausserdem freut es mich, dass wir damit auch Interesse und Verständnis für das Engadin als landwirtschaftliche Region wecken können.

Sie sind seit einem Jahr Geschäftsführer der LESA. Hat sich im Betrieb seit Ihrem Arbeitsantritt etwas verändert?
Ja, ich habe zusammen mit meinem Team vieles neu aufgegleist. Wir haben Abläufe optimiert und festgelegt, wie wir uns konsequent austauschen und Erfahrungen miteinander teilen. Wir sind zusammengerückt, und alle fühlen sich ernst genommen.

Sie führen in Bever auf 1706 Meter über Meer die höchstgelegene Molkerei Europas. Was ist das Besondere an diesem Arbeitsplatz?
Wir arbeiten an einem Ort, wo andere Ferien machen. Wunderschön gelegen, aber das bedeutet natürlich auch Herausforderungen. Da ist beispielsweise die Distanz zum Unterland. Wir haben Transportwege von bis zu drei Stunden. Das verteuert unsere Produkte und erfordert eine gute Organisation. Wir liefern aus mit Lastwagen und mit der Rhätischen Bahn.

Und wenn Sie einen Techniker für Ihre Maschinen brauchen?
Das ist eines unserer grössten Risiken. Deshalb haben wir einen Betriebsmechaniker eingestellt, der Teilzeit bei uns arbeitet und sich um den Unterhalt und um kleinere Reparaturen kümmert.

Sie verarbeiten pro Jahr rund sechs Millionen Kilogramm Engadiner Bergmilch zu Rahm, Käse, Fondue und Jogurt. Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit wichtig?
Dass wir partnerschaftlich mit den Bauern zusammenarbeiten, dass unsere Mitarbeiter sorgfältig arbeiten, dass wir Produkte in erstklassiger Qualität herstellen und dass alle, die mit der LESA zu tun haben, zufrieden sind: Die Kunden, die Händler, die Mitarbeiter, die Milchbauern und die Kühe! Auch die Umwelt liegt mir am Herzen. Ich will, dass wir bewusst und schonend mit den aussergewöhnlichen natürlichen Ressourcen im Engadin umgehen.

Das sind hohe Ansprüche…
Aber nur so können wir uns weiterentwickeln und eine zuverlässige Arbeitgeberin mit Perspektiven bleiben.

Es fällt auf, dass Sie viel vom Team sprechen.
Für mich ist klar: Motivierte Mitarbeiter sind das grösste Kapital eines Betriebes. Wenn sie sich geschätzt fühlen, denken sie mit, bringen gute Ideen und leisten Besonderes. Wir wollen die Mitarbeitenden hier weiterbringen und auch etwas gegen den Mangel an Fachpersonal im Engadin tun. Auch deshalb bilden wir erstmals einen Milchtechnologen EFZ aus.

Mit dem Engadin Forte hat die LESA am World Championship Cheese Contest 2014 eine Goldmedaille gewonnen. Profitieren Sie heute noch von diesem prestigeträchtigen Erfolg?
Solche Preise sind wichtig, weil sie unseren Betrieb und das Engadin als kulinarische Region bekannt machen und unsere Mitarbeitenden mit Stolz erfüllen. Der Engadin Forte ist übrigens mein Lieblingskäse, weil er einen einmalig feinen Teig und unglaublich viel Aroma hat.

So ein Erfolg verpflichtet aber auch. Sie müssen innovativ und kreativ bleiben. Woher kommt bei Ihnen die Inspiration?
Wichtig ist das Handwerk! Da kommt man nur weiter durch ständige Weiterbildung. Dann besuche ich viele Messen und pflege so bewusst mein fachliches Netzwerk. Und schliesslich ist der Kundenkontakt wichtig. Wenn ich eine Idee davon habe, was gefragt ist, dann probiere ich das gerne aus.

Verraten Sie uns, woran Sie derzeit gerade tüfteln?
Wir möchten den Rahm, der bei der Käseproduktion anfällt, zu hochwertiger Engadiner Butter verarbeiten. Das interessiert die Spitzengastronomen hier im Tal sehr!

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Er ist sehr vielseitig. Ich bin eingebunden in Administration, Produktion, Marketing und Produkteentwicklung.

Das klingt nach viel Arbeit. Haben Sie überhaupt einen Feierabend?
Ich arbeite 10 bis 12 Stunden pro Tag. Aber in dieser Zeit mache ich auch mal eine halbe Stunde Pause, um mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu plaudern oder zu fachsimpeln. Ausserdem gehe ich am Mittag immer nach Hause zum Essen. Es bleibt doch auch noch Zeit für die Familie.

Und sportlich sind Sie ja auch noch…
Ich habe Freude an meiner Arbeit und empfinde die längeren Arbeitstage nicht als Belastung. Das Schöne ist, dass die Natur hier vor unserer Haustüre liegt. Nach Möglichkeit gehe ich joggen, klettern oder bergsteigen – in letzter Zeit zwar etwas weniger, weil die Kinder noch klein sind. Wir unternehmen dafür gemeinsam viel in dieser wunderschönen Umgebung.

Sie beschäftigen zwölf Mitarbeitende und müssen je nach Saison enorme Produktionsschwankungen bewältigen. Wie schaffen Sie das?
Der Bergsommer, also Juni, Juli und August, sowie die drei Monate nach Weihnachten sind unsere Spitzenzeiten. Da stellen wir etwa 80 Prozent unserer Produkte für die Engadiner Hotellerie her. Da kommt es manchmal vor, dass wir die Produktion von einer Woche auf die andere von 1500 Liter Milch auf 7000 Liter erhöhen müssen. Dann sind wir alle sehr gefordert, aber wir haben die entsprechende Erfahrung und viel Improvisationstalent (er lacht).

Sie beschäftigen zwölf Mitarbeitende und müssen je nach Saison enorme Produktionsschwankungen bewältigen. Wie schaffen Sie das?
Der Bergsommer, also Juni, Juli und August, sowie die drei Monate nach Weihnachten sind unsere Spitzenzeiten. Da stellen wir etwa 80 Prozent unserer Produkte für die Engadiner Hotellerie her. Da kommt es manchmal vor, dass wir die Produktion von einer Woche auf die andere von 1500 Liter Milch auf 7000 Liter erhöhen müssen. Dann sind wir alle sehr gefordert, aber wir haben die entsprechende Erfahrung und viel Improvisationstalent (er lacht).

Müssen Sie dann zusätzliches Personal rekrutieren?
Nein, bislang haben wir das immer als Team geschafft, und das ist für mich ein gutes Zeichen!

Haben Sie berufliche Pläne oder Träume?
Wir wollen durch hochwertige Produkte aus der Engadiner Milch und mit attraktiven Innovationen die Existenz der Landwirtschaftsbetriebe in der Region langfristig sichern. Damit leisten wir unseren Beitrag, dass möglichst viel Wertschöpfung hier oben im Tal bleibt.